Bericht über Migrantenkinder zeigt bildungspolitischen Skandal auf

P R E S S E M I T T E I L U N G

Der zweite Teil des städtischen Bildungsberichts mit dem Schwerpunkt “Migrantenkinder” hat die eklatante Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund aufgezeigt. Kinder ohne deutschen Pass müssen dreimal so häufig wie deutsche Kinder die Klasse wiederholen, sind beim Übertritt aufs Gymnasium um den Faktor 3 unterrepräsentiert und verlassen die Schule dreimal so häufig ohne Schulabschluss (das betrifft im Ausländerbereich fast jeden Fünften). Nach Ethnien differenziert stellt sich Disparität noch krasser dar: Während mehr als jeder zweite deutsche Fünftklässler das Gymnasium besucht (54,7%), schafft nicht einmal jeder zehnte junge Türke den Übertritt ans Gymnasium (9,4%).

Aus Sicht von Stadtrat Dr. Florian Roth (Die Grünen – rosa liste) ist diese Benachteiligung ein “bildungspolitischer Skandal. “Das auf Selektion statt Förderung setzende bayerische Schulsystem”, so Roth, “ist für die fehlende Bildungsgerechtigkeit verantwortlich”.

Da Grund- und Hauptschulen staatlich sind, hat die Stadt München nur begrenzte Möglichkeiten, dort korrigierend einzugreifen. Florian Roth: “Der Freistaat, das Schulreferat und die Kinder- und Jugendhilfe müssen endlich an einem Strang ziehen, um Übertrittsquoten und Schulabschlüsse von Migrantenkindern zu verbessern. Aber auch an städtischen Realschulen und Gymnasien müssen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund unter Einbeziehung ihrer Eltern besser gefördert werden.

Wichtige Maßnahmen wären aus grüner Sicht:

· Verstärkung der zielgruppenspezifischen Elterninformation, Elternarbeit und Elternbildung auch und gerade an Grund- und Hauptschulen (das Schulreferat hat hier neuerdings eine ganze Stelle für diesen Bereich geschaffen).

· Der Staat muss endlich flächendeckend Ganztagsschulen im Volksschulbereich gründen; dazu wird die Stadt die notwendige Unterstützung leisten.

· Die Ressourcen müssen auf jene Regionen und Schulen konzentriert werden, in denen der Bildungserfolg aufgrund sozialer und ethnischer Herkunft am geringsten und deswegen Unterstützung am notwendigsten ist.

· Bessere (Deutsch-)Förderung an (städtischen) Gymnasien (die Grünen haben dazu unlängst einen Antrag gestellt) und Realschulen.

· Stärkere Förderung der Ressourcen und Potentiale von Migrantenkindern – wie Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz. Die von den Grünen vorgeschlagene und in die Bündnisvereinbarung mit der SPD aufgenommene Idee einer mehrsprachigen Internationalen Schule muss bald möglichst in ein Konzept gegossen und verwirklicht werden.

· Die schon lange geplante Reformschule, in der individuelle Förderung, Vielfalt als Chance und die Überwindung des selektiven dreigliedrigen Schulsystems modellhaft umgesetzt werden soll, muss endlich gegründet werden.

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