Für einen Fachtag über den Umgang mit zum Rechtsextremismus tendierenden Jugendlichen in der Jugendarbeit

Antrag

Für einen Fachtag über den Umgang mit zum Rechtsextremismus tendierenden Jugendlichen in der Jugendarbeit

Die Verwaltung organisiert in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring und anderen infrage kommenden Institutionen (Streetwork, Feierwerk, DJI und der Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus) einen Fachtag zum Thema Umgang mit zum Rechtsextremismus tendierenden Jugendlichen in der Jugendarbeit. Hierbei sollen folgende Themen und Fragen mit Experten und Fachleuten auch aus anderen Städten diskutiert werden:

1. Woran und wie erkennen Mitarbeiter in der Jugendarbeit Jugendliche mit rechtsextremen Tendenzen? Wo verlaufen die Grenzen zwischen hinnehmbarer jugendkulturspezifischer, ggf. politisch inkorrekter Sprache und zu thematisierendem rechtsextremem Sprachjargon ?

2. Welchen besonderen Hilfebedarf haben diese Jugendlichen? Wie kann ein Einstieg in die rechtsextremen Szene verhindert werden?

3. Wie können die Fachkräfte in der Jugendarbeit mit dieser Thematik in der Praxis umgehen? Wie können sie dem Auftauchen rechtsextremer Einstellungen und Tendenzen in ihrer Einrichtung begegnen ? Wie können sie diese als Thema im Rahmen ihrer Arbeit mit den Jugendlichen angehen? Wie sehen konkrete Handlungsleitlinien aus ?

4. Was muss im Bereich der Personalentwicklung geschehen? Wie können Fachkräfte sensibilisiert und geschult werden?

5. Wie könnten präventive Angebote aussehen? Welche Position nimmt die Landeshauptstadt München zu diesem Thema in der Jugendarbeit ein ?

Ziel soll sein, eine bewusst niedrigschwellige Einstiegsdiskussion über die Problematik zu ermöglichen. Fragen, die sich in der Praxis ergeben anhand von konkreten Einzelbeispielen zu besprechen und klare Handlungsleitlinien für die einzelnen Einrichtungen und Mitarbeitenden zu entwickeln.

Begründung:

In den Einrichtungen der Jugendarbeit tauchen immer wieder Jugendliche mit rechtsextremen Tendenzen auf. Dies stellt die MitarbeiterInnen vor große Herausforderungen in verschiedenen Dimensionen:

Rechtsextreme Tendenzen werden auch von Fachkräften in der Jugendarbeit oft nicht als solche erkannt, da sich viele noch immer an einem einschlägigen rechtsextremen Sprachgebrauch orientieren. Gleichzeitig kommt es in den sehr heterogenen Jugendgruppen etwa durch frauen-, ausländerfeindliche oder homophobe Äußerungen zu Konflikten.

Erkennen die Fachkräfte rechtsextreme Tendenzen, möchten sie nicht unterstellt bekommen, sie würden diesen Jugendlichen eine Plattform bieten um ihre politische Einstellung zu verbreiten. Dies führt dazu, dass den Jugendlichen oft der Besuch der Einrichtung untersagt wird, da die Mitarbeitenden in den konkreten Situationen nicht wissen, wie sie reagieren sollen.

Gerade zum Rechtsextremismus tendierende Jugendliche scheinen jedoch oft einen besonderen Hilfebedarf zu haben. Bleibt diesen Orientierung suchenden Heranwachsenden die Anbindung an Gleichaltrige in Jugendzentren sowie die Unterstützung von erwachsenen Bezugspersonen in den Einrichtungen der Jugendarbeit verwehrt, laufen sie Gefahr von Angeboten der rechtsextremen Szene verführt zu werden. Rechtsextreme Kreise werben gezielt Jugendliche ohne gesellschaftliche Teilhabe, um sie für ihre politischen Ziele zu gewinnen.

Um die problematischen Einstellungen von Jugendlichen mit rechtsextremen Einstellungen, die noch nicht verfestigt sind, bearbeiten zu können und einen Sinneswandel bei den Jugendlichen zu ermöglichen, brauchen die Fachkräfte klare Grenzziehungen, Kriterien und Handlungsleitlinien.

Die Stadt München braucht für ihre Jugendarbeit eine klare, praxisbezogene Handlungsleitlinie. Da in München bislang kein Modell dafür bekannt ist, wie mit diesem Thema umgegangen werden kann, soll der Fachtag einen Einstieg ins Thema ermöglichen.

Bündnis ’90/Die Grünen – rosa liste
Initiative:
Siegfried Benker, Fraktionsvorsitzender
Lydia Dietrich, Fraktionsvorsitzende
Gülseren Demirel, Stadträtin
Jutta Koller, Stadträtin

 

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