Für eine zukunftsfähige Förderung der freien Tanz- und Theaterszene München

ANTRAG

Das Kulturreferat entwickelt ein Konzept, in dem dargestellt wird, wie durch Erhöhung und strukturelle Anpassung der Fördermittel für die darstellende Kunst in München gewährleistet wird, dass

  • Kunstschaffende angemessen bezahlt werden, (Selbst-)Ausbeutung vermieden und eine breite Vielfalt von Projekten und Einrichtungen gefördert wird (dabei wäre eine Orientierung an der vom Bundesverband Freie Darstellende Künste empfohlene Honoraruntergrenze – angepasst an die Lebenshaltungskosten in München – sinnvoll);
  • Vielfalt und Potential der freien Szene bestmöglich entwickelt wird und auch über die Stadtgrenzen hinaus anerkannte freie Theaterhäuser wie das Metropoltheater finanziell angemessen ausgestattet sind für eine weitere qualitativ hochstehende Arbeit (etwa durch Erhöhung der Höchstfördersummen und des Gesamtförderetats).

In diesem Zusammenhang soll geprüft werden, ob eine Studie zum Potential dieser Szene wie in Hamburg in Auftrag gegeben wird.
Außerdem tritt die Stadt München in Gespräche mit dem Freistaat Bayern ein, damit die absurde Praxis beendet wird, dass die freie Szene in den Großstädten München und Nürnberg von der staatlichen Förderung ausgenommen ist.
Begründung:

München zeichnet sich auch im Bereich der darstellenden Kunst durch renommierte und finanziell gut ausgestattete städtische und staatliche Theater aus. Die freie Szene jedoch wird vom Freistaat nicht gefördert und die städtischen Fördermittel sind inzwischen nicht mehr ausreichend. Dies hat mehrere Gründe:
Bundesweit hat sich ein Diskurs über faire Entlohnung im Bereich der freien (darstellenden) Kunst entwickelt. Schon 2009 stellte der “Report Darstellende Künste” fest, dass das durchschnittliche jährliche künstlerische Nettoeinkommen der Freien Theaterschaffenden bei 11.500 Euro lag – also weniger als 1.000 € pro Monat. International hat sich unter dem Namen art but fair eine Bewegung gebildet, die für faire Arbeitsbedingungen und angemessene Gagen in darstellender Kunst und Musik eintritt (>>>hier). Der Bundesverband Freie Darstellende Künste hat in diesem Zusammenhang eine Honoraruntergrenze gefordert, die für die Berufsgruppe mit Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse (KSK)  mindestens 2.300 Euro im Monat sowie für Berufsgruppen, bei denen eine soziale Absicherung über die KSK nicht möglich ist, mindestens 2.660 Euro im Monat betragen soll (>>>hier). Hinzu kommt, dass in München die Lebenshaltungskosten gerade im Bereich Wohnen deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen. Um nun Selbstausbeutung zu verhindern, wäre es sinnvoll, eine an die Münchner Lebenshaltungskosten angepasste Untergrenze für Förderanträge verpflichtend zu machen. Um jedoch zu vermeiden, dass dadurch deutlich weniger Anträge positiv beschieden werden können, muss die Gesamtfördersumme deutlich steigen. Momentan beträgt der Förderrahmen für die freie Tanz- und Theaterszene insgesamt 1,7 Mio. Euro.

Neben der Frage fairer Künstlerhonorare muss insgesamt auch die Entwicklung des künstlerischen Potentials außerhalb der großen städtischen und staatlichen Häuser in den Blick genommen werden. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges entwickelt, was jedoch aufgrund des Rahmens der Fördermittel an finanzielle Grenzen stößt. Immer wieder wird ja als Perspektive das Kreativquartier mit der Jutier- und Tonnenhalle genannt; bis hier jedoch real der künstlerische Betriebe beginnt, werden noch einige Jahre durchs Land ziehen.

In den letzten Monaten hat sich die freie Szene selbst organisiert und ist mit Thesen wie im Positionspapier des Netzwerkes Freie Szene in München e.V. (>>>hier) und in der Petition „20 Jahre sind genug! Ein Appell an die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land“ (>>>hier) des bundesweit immer wieder ausgezeichneten Metropoltheaters an die Öffentlichkeit gegangen. Zu den Forderungen dieser Texte sollte das Kulturreferat dringend einen öffentlichen Diskurs unter Beteiligung von Kunstschaffenden und Politik starten.

Schließlich könnte man sich für die mittel- und langfristige Perspektive am Vorbild Hamburgs orientieren, wo von der Stadt eine Potentialanalyse der freien Szene in Auftrag gegeben wurde (>>>hier).

Fraktion Die Grünen – rosa liste
Initiative:
Dr. Florian Roth
Sabine Krieger
Thomas Niederbühl
Mitglieder des Stadtrats

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