Grüne – rosa liste lehnen Vertragsverlängerung mit Gergiev ab

P R E S S E M I T T E I L U N G

Die Grünen – rosa liste werden in der morgigen Vollversammlung die Verlängerung des Vertrags von Valerie Gergiev ablehnen, dessen Vertrag als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker zum Ende der Konzertsaison 2019/2020 ausläuft. Fraktionschef Dr. Florian Roth und Stadtrat Thomas Niederbühl begründeten die Ablehnung mit Gergievs fortgesetzter politischer Propaganda für Wladimir Putin und dessen menschen- und völkerrechtswidriger Politik.

Dr. Florian Roth: „Die Fraktion Grüne-rosa liste hegt keinerlei Zweifel an der künstlerischen Leistung des Maestro. Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Münchner Philharmoniker in der internationalen Spitzenklasse konkurrenzfähig geblieben sind. Auf Welttourneen mit dem Orchester wirkt er in herausgehobener Stellung als musikalischer Botschafter der Landeshauptstadt München.
In dieser Funktion, als Repräsentant der Stadt, vor Ort, aber eben auch weltweit, trägt er jedoch auch politisch eine herausgehobene Verantwortung. Dazu würde es gehören, eine gewisse Zurückhaltung zu üben bei einem politischen Engagement, das sich zu den freiheitlich-demokratischen Werten, für die auch die Landeshauptstadt steht, diametral im Gegensatz befindet. Zumindest wäre eine strikte Trennung zwischen privater politischer Überzeugung und seiner Rolle als international bekannter Künstler zu praktizieren.
Doch leider gab es in den letzten Jahren immer wieder Vorfälle, bei denen Herr Gergiev sich ganz und gar nicht zurückgehalten hat. Er ist nicht nur ein enger Freund des russischen Präsidenten Putin, sondern setzt sein musikalisches Wirken und seinen künstlerischen Ruf immer wieder bewusst in Putins Dienste. Dies tut er insbesondere in seiner weiteren Funktion als musikalischer Leiter des Ensembles des Mariinski-Theaters – und immer wieder auch da, wo Putins Politik besonders problematisch ist:
Bereits 2008 trat er nach dem Krieg Russlands gegen Georgien mit dem Mariinski-Orchester bei einem Siegeskonzert in der international nicht anerkannten Republik Südossetien auf.
Im Jahr 2014 unterzeichnete er einen offenen Brief, in dem Putins völkerrechtliche Annexion der Krim und die russische Aggression gegen die Ukraine gutgeheißen wird.
Auch nach Antritt seines Amtes in München stellte er sein Engagement im Dienste von Putins Propaganda nicht ein. Im Gegenteil: Im Frühjahr 2016 trat er mit dem Mariinski-Orchester im syrischen Palmyra bei einem Konzert aus Anlass der Eroberung dieser Stadt durch syrische und russische Truppen auf. Das Publikum bestand hauptsächlich aus russischen und syrischen Soldaten und Offiziellen. Der russische Präsident Putin war per Video zugeschaltet. Das Konzert wurde zeitversetzt im russischen Fernsehen übertragen, dazwischen wurden Bilder von Kriegseinsätzen der russischen Streitkräfte geschaltet.
Im selben Jahr 2016, in dem ein wichtiger städtischer Repräsentant die Waffenbrüderschaft zwischen Assad und Putin künstlerisch feierte, hat die Stadt München den Geschwister-Scholl-Preis für das das Buch „Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie“ von Garance Le Caisne verliehen. Das Buch erzählt die Geschichte eines syrischen Militärfotografen – eben jenes anonymen Caesar -, der Zehntausende Fotos von Ermordeten aus den Kerkern des Assad-Regimes kopiert und außer Landes geschmuggelt hat.
Am 30.1.2018 wurde bekannt, dass der Münchner Stadtrat im Februar über die Verlängerung des Vertrags von Valerie Gergiev entscheiden sollt. Am gleichen Tag besuchte Gergiev in Moskau eine Ausstellung des Oberkommandos der russischen Streitkräfte, bei der in Syrien eingesetzte Waffen und Beutestücke aus dem Krieg gezeigt werden. Wladimir Putin eröffnet die Ausstellung von Kriegsmaterial, das wie wir wissen, auch gegen die gemäßigte Opposition und die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde und nutzte die Gelegenheit „gemeinsame Aktionen des russischen Militärs und der syrischen Armee“ zu heroisieren (>>>hier).
Angesichts all dieser Tatbestände kann die Fraktion Grüne-rosa liste morgen der Verlängerung des Vertrags von Gergiev nicht zustimmen.“
Rosa Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl, Mitglied des Philharmonischen Rats: „Schon bei Amtsantritt sahen wir uns gezwungen, gegen Gergievs Rechtfertigung von Putins homosexuellenfeindlicher Gesetzgebung Proteste zu organisieren. Es wäre wünschenswert, dass der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker die Weltoffenheit dieser Stadt mit seiner künstlerischen Leitung repräsentiert – aber wenigstens nicht offen konterkariert.“

 

Print Friendly

Nach oben scrollen