Donnerstag, 21. September 2017

Grüne wollen neue Debatte über „Stolpersteine“

P R E S S E M I T T E I L U N G

In 16 Staaten der Welt und in über 500 deutschen Städten erinnern mittlerweile die sogenannten Stolpersteine an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Gunter Demnig, der Schöpfer dieser Idee, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, erhielt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, den Marion-Dönhoff-Förderpreis sowie mit den Europäischen Bürgerpreis des Europäischen Parlaments.
Doch ausgerechnet München, die ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“, sperrt sich. Hier sind die Stolpersteine nach wie vor offiziell verboten, obwohl es auch hier viele Bürgerinnen und Bürger, viele Angehörige von Opfern gibt, die sich für diese Form des Gedenkens einsetzen. Nur auf Privatgrund wurden einige Steine verlegt, andere wurden angefertigt und warten darauf, eines Tages vielleicht im öffentlichen Raum einen würdigen Platz zu finden.
Die Stadtratsfraktion Die Grünen – rosa liste hat daher beantragt, im kommenden Jahr erneut über diese Form des Gedenkens zu beraten und zu diesem Zweck ein Hearing zu veranstalten. Fraktionschef Dr. Florian Roth schlägt vor, zu dem Hearing einen Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland einzuladen, sowie mit Charlotte Knobloch die prominenteste Gegnerin der Stolpersteine. Außerdem sollen Repräsentanten weiterer Opfergruppen (Homosexuelle, Sinti und Roma) die Angehörige von Opfern und Gunter Demnig zu Wort kommen.
Dr. Florian Roth: „Das Kunstprojekt der Stolpersteine regt dazu an, sich aktiv mit dem auseinandersetzen, was zur NS-Zeit in unmittelbarer Nähe geschehen ist. Diese Idee hat auch in München viele Befürworter. Neben den Münchner Grünen hat sich auch die Münchner SPD inzwischen mehrheitlich für die Stolpersteine ausgesprochen.
Bei dem Bürgerbeteiligungsprojekt der Landeshauptstadt München „München Mitdenken“ kamen die Stolpersteine auf den 2. Platz (http://muenchen-mitdenken.de/beste-ideen). Fast 10 Jahre, nachdem der Münchner Stadtrat das Verbot der Verlegung von „Stolpersteinen“ beschlossen hat, ist es aus all diesen Gründen an der Zeit, im Stadtrat erneut über diese Form des Erinnerns zu diskutieren.“

Gunther Demnig wird am 21. Dezember 2013 in München Stolpersteine für zwei Jehovas Zeugen verlegen, die wegen ihrer Überzeugung von den Nazis verfolgt und nach langem Leidensweg ermordet wurden. Der erste Stolperstein – für Viktoria Klimm – wird um 10 Uhr in der Entenbachstraße 45 in der Au verlegt. Um 11 Uhr folgt die Verlegung eines weiteren Steines – für Rosa Günther – in der Isartalstr. 34 in der Isarvorstadt.

 

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