Donnerstag, 23. November 2017

Hormonwirksame und hormonartig wirkende Stoffe in München reduzieren – ein Beitrag zu einem gesunden Leben für alle Münchner*innen

Antrag

Die Landeshauptstadt München beschließt Maßnahmen, um auf die Gesundheitsgefahren durch sogenannte endokrine Disruptoren (EDCs – Endocrine Disprupting Chemicals), hormonell wirksame oder hormonartig wirkende Substanzen, aufmerksam zu machen und diese zu verringern. Sie nimmt dadurch gleichzeitig ihre Verpflichtung zur Umsetzung der Agenda 2030, der Nachhaltigen Entwicklungsziele ernst und leistet einen Beitrag zum Nachhaltigkeitsziel 3 (SDG 3) „Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“.
Die LH München verpflichtet sich ein Projekt zum Thema EDCs mit folgenden Komponenten aufzusetzen:

1. Analyse, wo die LH München in ihrem Einflussbereich (Beschaffungswesen, städtische Verträge, Bauwesen) hormonell wirksame oder hormonartig wirkende Substanzen, die sogenannten endokrinen Disruptoren (EDCs – Endocrine Disprupting Chemicals), verwendet, sowie Produkte, die krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind (sogenannte CMR-Stoffe), und wie die Verwendung dieser Stoffe zu begrenzen ist. Ein Schwerpunkt ist darauf zu legen, die EDC-Exposition durch Lebensmittel zu begrenzen. Die Vermeidung von Lebensmittelverpackungen, die EDCs wie z.B. die weit verbreiteten BPA (Bisphenol A) oder Phtalate enthalten, gehört dazu ebenso wie die Förderung des Einsatzes von Bio-Lebensmitteln in Schulkantinen und anderen öffentlichen Dienstleistungseinrichtungen.

2. Erstellung eines Maßnahmenplans, um die Verwendung der unter 1. erwähnten Stoffe zu begrenzen und ein Fortbildungs- und Öffentlichkeitskonzept für die Verwaltung zu entwickeln. Ziel muss es sein, Multiplikator*innen im städtischen Bereich sowie die Bürger*innen, umfassende Informationsangebote über EDCs/CMR-Stoffe zu machen und für die besonderen Risiken für gefährdete Gruppen wie Kinder, Schwangere und kranke Menschen zu sensibilisieren.

3. Thematisierung der Risiken von EDCs auch auf überkommunaler Ebene und Einforderung von Schutzmaßnahmen auf Länder- und Bundesebene einzufordern. So wird der Oberbürgermeister gebeten im Rahmen des Deutschen Städtetages das Thema EDCs auf die Tagesordnung zu bringen, um über dieses Gremium im Sinne des Vorsorgeprinzips eine Politik zu entwickeln, die die Exposition gegenüber EDCs nachhaltig verringert.

4. Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein WECF e.V., der sich schon sehr lange mit dem Thema auseinandersetzt und seit vielen Jahren in München verschiedenste Informationsangebote zu diesem Thema anbietet (Fortbildungen, Workshops, Vorträge, Publikationen, die App „Giftfrei Einkaufen“ etc.).

5. Den AK Frau und Gesundheit des Gesundheitsbeirates als Expertengremium ebenfalls mit einzubinden.

 

Begründung:
Hormonell wirksame Chemikalien, sogenannte endokrine Disruptoren (EDs) oder auch Endocrine Disrupting Chemicals (EDCs), wie zum Beispiel Phtalate (Weichmacher), Pestizide und Bisphenol A (Grundstoff von Polycarbonatkunststoffen) kommen in vielen Alltagsprodukten wie Spielzeug, Kleidung, Kosmetika, Lebensmitteln, Lebensmittelverpackungen, Möbeln oder biozidbehandelten Erzeugnissen vor. ED-Pestizide werden in die Umwelt eingetragen und gelangen über Rückstände in Lebensmitteln zu den Konsumenten. Diese Stoffe bergen nicht nur ein großes Risiko für Männer und Frauen allgemein, sondern vor allem für Schwangere, Ungeborene und Kinder in sich. Problematisch ist, dass es bisher kaum Regelungen zum Einsatz von EDCs gibt. Deshalb ist Vorsorge geboten.
EDCs sind exogene Stoffe, die den Hormonhaushalt beeinflussen und zur Entstehung von Krankheiten beitragen können. Die Stoffe können über Essen, Trinken, Atmung und Hautkontakt in den Körper gelangen. Verschiedenste gesundheitliche Schäden wie Fortpflanzungsstörungen, Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, hormonbedingte Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten bei Kindern oder chronische Erkrankungen wie Diabetes werden mit der Exposition gegenüber hormonell wirksamen Substanzen in Verbindung gebracht. Die Anzahl hormonbedingter Erkrankungen steigt so rasant an, dass sie nicht alleine durch genetische oder vom Lebensstil abhängige Faktoren zu erklären ist. So erkrankten 2010 etwa doppelt so viele Frauen an Brustkrebs wie noch 1980. Besonders in sensiblen Zeitfenstern der pränatalen oder pubertären Entwicklung können EDCs bei der Entstehung hormonbedingter Krankheiten eine Rolle spielen. Die Weltgesundheitsorganisation und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen sprechen von einer globalen Bedrohung und fordern die Politik zum Handeln auf (>>>hier).
Frauen sind anders als Männer betroffen, weil viele der Stoffe lipophil sind und sich im weiblichen Körper leichter einlagern. Besonders kritisch ist die Situation für schwangere Frauen, da sie die Belastung durch die schädigenden Chemikalien an ihre Kinder weitergeben.
Deshalb ist es wichtig, die Verwaltung, aber auch die Bürger*innen über die Thematik aufzuklären, um ein Bewusstsein für die Schadstoffbelastung in Alltagsgegenständen zu schaffen und den Menschen einen kompetenten Umgang damit zu ermöglichen.
WECF e.V. ist ein in München ansässiger gemeinnütziger Verein, der die App „Giftfrei einkaufen“, Publikationen und entsprechende Fortbildungen, Workshops und Vorträge zu dem Thema anbietet und schon erfolgreich mit der Stadt München zusammengearbeitet hat. Schon 2013 gab es Aussagen des Referates für Bildung und Sport (RBS) die Zusammenarbeit zu verstetigen, um eine direkte Ansprechstelle in München zu diesem Thema zu haben. Im Rahmen des AK Frau und Gesundheit des Gesundheitsbeirates der LH München am 20.09.2017 hat der Vortrag von WECF zu diesem Thema hohe Resonanz der Mitglieder erhalten, die aus ihrer eigenen Arbeit die Bedeutung des Themas für die Münchner Bevölkerung bestätigten.
Die Hauptstadt Spaniens, Madrid, ist Vorreiter in dem Bemühen, die Verwendung hormonell wirksamer Chemikalien schrittweise zu begrenzen. Das Plenum der Dreimillionenstadt beschloss am 28. Juni 2017 einen Antrag mit einer Reihe von Maßnahmen, um die Bürger*innen nicht unnötig EDC und anderen toxischen Substanzen auszusetzen (>>>hier, S.22). Ein solcher Maßnahmenkatalog ist auch für München sinnvoll.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste
Initiative: Lydia Dietrich, Katrin Habenschaden, Sabine Krieger, Dominik Krause, Herbert Danner, Sabine Nallinger, Anna Hanusch, Thomas Niederbühl.

Mitglieder des Stadtrates

 

 

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