Information über Abtreibungen: Grüne beklagen schikanöse Informationspraxis in München

P R E S S E M I T T E I L U N G

Stadträtin Anja Berger hat mangelnde Informationsmöglichkeiten für Frauen kritisiert, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen wollen. In München sind betroffene Frauen gezwungen, sich in der städtischen Beratungsstelle im Referat für Gesundheit und Umwelt einige Adressen von der offiziellen Liste abzuschreiben. Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen in freier Trägerschaft verfügen nicht einmal über diese Liste – sie müssen die Frauen an die städtische Beratungsstelle oder an die Krankenkassen verweisen.
Stadträtin Berger fordert daher in einem Antrag, das Recht der Frauen auf Information ernst zu nehmen und ihnen in allen Beratungsstellen unbürokratisch und neutral alle aktuellen Adressen von Ärzten oder Kliniken (deren Einverständnis vorausgesetzt) zur Verfügung zu stellen, die in München oder im Umland Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Liste soll außerdem im Internet abrufbar sein und laufend aktualisiert werden.
Anja Berger: „Die derzeitige Praxis, die Frauen dazu zwingt, sich Adressen abzuschreiben – Kopieren und Fotografieren ist nämlich verboten! – ist einfach unwürdig und für Frauen mit schlechten Schreibkenntnissen oder aus anderen Sprachräumen eine unnötige Erschwernis.
Hinzu kommt, dass diejenigen Frauen, die sich an eine Beratungsstelle in freier Trägerschaft wenden, noch eine weitere Stelle aufsuchen müssen um sich die notwendigen Informationen zu verschaffen. Dadurch entstehen oft zeitliche Verzögerungen, die bei der in Deutschland geltenden Fristenregelung zusätzlichen Stress bedeuten. Die meisten dieser Frauen befinden sich in einer schwierigen Lebenslage und verdienen Unterstützung statt Schikane.
Selbst das Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 24.11.2017, in dem die Gynäkologin Kristina Hänel verurteilt wurde, weil sie angeblich auf ihrer Website für Schwangerschaftsabbrüche geworben und somit gegen den § 219a verstoßen haben soll, stellt ausdrücklich das Recht der Frauen fest, durch die Beratungsstellen über zur Abtreibung bereite Ärzte informiert zu werden. Andere Städte wie Berlin oder Hamburg stellen den Frauen diese Informationen bereits im Internet zur Verfügung. Es ist höchste Zeit, dass sich auch die aktuelle Informationspraxis in München an den Bedürfnissen der Frauen orientiert!“

 

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