Lilienthals Weggang – ein Rückschlag für die Münchner Kultur

P R E S S E M I T T E I L U N G

Zur gescheiterten Vertragsverlängerung von Matthias Lilienthal als Intendant der Münchner Kammerspiele erklärt der Vorsitzende der Stadtratsfraktion Die Grünen – rosa liste. Dr. Florian Roth:
„Das Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal ist ein Verlust für die Münchner Theaterszene, denn er hat visionär neue künstlerische Wege eingeschlagen und die gesellschaftliche Rolle des Theaters mutig weiterentwickelt. Lilienthal hat die Grenzen zwischen Stadttheater, Performance und freier Szene niedergerissen. Er hat migrantische Kultur auf den Spielplan seines Theaters und auf die Tagesordnung der Kulturpolitik gesetzt. Exemplarisch hat Lilienthal mit dem Stück ‚Der Fall Meursault‘ deutlich gemacht, wie die sonst dominante Perspektive der 1. Welt verlassen und migrantische Kulturen gleichberechtigt integriert werden können.
Nicht alles ist ihm geglückt, doch die Risiken, die er eingegangen ist, haben das kulturelle Leben in München bereichert. Dies wurde auch durch Auszeichnungen auf überregionaler Ebene anerkannt – mit zwei Inszenierungen wurden die Kammerspiele zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Ebenso schlimm wie der Verlust an künstlerischem Einfallsreichtum sind aber die Umstände, die nun anscheinend zu Lilienthals Weggang führen. Die CSU entblödet sich nicht, Lilienthals Weggang mit den Worten ‚Die Zeit der künstlerischen Experimente ist vorbei‘ zu feiern – ein schlimmer Rückfall in eine reaktionäre und provinzielle Auffassung von Kunst und Kultur! Die SPD verfolgt dieses Treiben eher bedauernd, aber passiv und verhilft diesem Backlash somit zum Erfolg, ohne andere Mehrheiten überhaupt in Betracht zu ziehen. Welcher visionäre Theatermacher wird noch Lust haben, sich auf die Intendanz in einem derart innovationsfeindlichen Umfeld zu bewerben?“

Die Grünen – rosa liste haben für den nächsten Kulturausschuss am 12. April einen Bericht über die Vorgänge beantragt.

 

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