Maßnahmen zur Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen

ANTRAG

Die Verwaltung wird gebeten, eine Bestandsaufnahme und Bewertung der existierenden Maßnahmen/Projekte in München zur Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen zu erstellen.

Dabei sind folgende Fragen zu berücksichtigen:

1. Welche Maßnahmen/Projekte des Sozialreferats/Stadtjugendamts/Schulreferats/der Stelle für interkulturelle Arbeit bzw. von der Stadt geförderte Projekte gibt es mit welcher Ausstattung?

a) Welche stadtteilbezogenen Projekte gibt es: Wer ist daran beteiligt?

b) Welche kulturellen Projekte gibt es, die die Kreativität der Jugendlichen ansprechen und fördern?

c) Welche ethnienspezifischen Projekte gibt es?

d) Inwieweit sind Migrantenorganisationen beteiligt bzw. einbezogen?

e) Gibt es aufsuchende Elternarbeit?

f) Welche der unter a) bis e) aufgezählten Aspekte/Maßnahmen/Projekte sind an Schulen angesiedelt bzw. werden in Zusammenarbeit mit Schulen durchgeführt?

2. Wie sind diese Maßnahmen/Projekte zu bewerten: Muss etwas geändert werden? Müssen neue Schwerpunkte gesetzt werden?

3. Wir bitten um Darstellung von Maßnahmen/Projekten außerhalb Münchens (z. B. „Kiezdruck“ aus Berlin-Neukölln), deren Bewertung und Prüfung der möglichen Übertragbarkeit auf München
Begründung

Laut Sicherheitsreport 2007 des Polizeipräsidiums München ist der Anteil der tatverdächtigen Jugendlichen um 1,0% gestiegen (im Vergleich von 2006 auf 2007). Bei der Gewaltkriminalität stieg der Anteil der gefährlichen/schweren Körperverletzung von 60,8% im Jahr 1998 auf 79,2% im Jahr 2007. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen an den Straftaten insgesamt ist hoch.

Der Prozessbeginn diese Woche anlässlich des Überfalls von Serkan A. und Spyridon L. auf den Rentner in der U-Bahnstation Arabellapark am 20. Dezember 2007 hat eine aktuelle Debatte über Strafmaßnahmen ausgelöst. Bundesweit – und auch in München – sind verschiedene Projekte wie „Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)“ oder „Konfrontatives Soziales Training (KST“) installiert worden.

Eine Bestandsaufnahme und Bewertung von Maßnahmen und Projekten, die ansetzen, bevor Jugendliche auffällig oder straffällig werden – also Projekte zur Gewaltprävention – ist erforderlich, um entscheiden zu können, ob solche Maßnahmen eventuell noch zu konzipieren sind. Präventive Arbeit zeigt sich in Maßnahmen/Projekten des Sozialreferats, des Kulturreferats, der Stadtjugendamtes und der Migrantenorganisationen:

  • Das soziale Umfeld im Stadtteil sowie die Schule sind von besonderer Bedeutung für das Entstehen bzw. Verhindern von Gewalt.
  • Kulturelle Projekte, die die Kreativität von Jugendlichen fördern und ihnen dadurch ein Selbstwertgefühl vermitteln, sind erfolgversprechend – wie z. B. die WestEndOpera gezeigt hat.
  • Der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Gewalttaten ist überproportional hoch. Ihr Anteil an nicht abgeschlossener Schulbildung und langen Wartezeiten bis zum Erhalt eines Ausbildungsvertrags (6 mal länger als deutsche Schulabgänger) ebenso.
  • Neben der sozialen Situation spielt der familiäre Hintergrund eine große Rolle. Viele Eltern, besonders diejenigen, die aus ländlichen Regionen immigriert sind, fühlen sich traditionellen Erziehungsmethoden verpflichtet; diese schließen Gewaltausübung ein und bringen besonders männliche Jugendliche in einen Konflikt zwischen Familie und deutscher Gesellschaft.
  • Aufsuchende Elternarbeit und enge Zusammenarbeit mit den Migrantenorganisationen sind unerlässlich, um überhaupt Kontakt zu den Eltern und Jugendlichen zu finden.

Nach der Bestandsaufnahme sollten die jetzigen Maßnahmen unter dem Aspekt geprüft werden, ob die jetzige Struktur dem aktuellen Forschungs- und Diskussionstand entspricht.
Je früher die Kinder und Jugendlichen Alternativen zu der gewaltfördernden Konstellation – Schulversagen, überforderte Eltern, Gewalterfahrung in der Familie, aggressive Verhaltensmuster im Freundeskreis, Arbeitslosigkeit und Armut – erhalten, umso erfolgversprechender kann der Einsatz von Gewalt verhindert werden.

Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – rosa liste
Siegfried Benker
Gülseren Demirel
Dr. Florian Roth

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