Migration und Gesundheit (II): Suizidrate bei jungen Frauen mit muslimischem Migrationshintergrund

Antrag

Migration und Gesundheit (II)
Suizidrate bei jungen Frauen mit muslimischem Migrationshintergrund
Das Referat für Gesundheit und Umwelt wird – in Kooperation mit anderen zuständigen Referaten – um Darstellung gebeten:

1. Gibt es in München Anzeichen einer auffällig hohen Suizidrate von jungen Migrantinnen?

2. Gibt es eine Bestandsaufnahme von Suizidversuchen und Suiziden von jungen Migrantinnen?

3. Werden die Ursachen der Suizidversuche erfragt?

4. Welche präventiven Maßnahmen gibt es? Wie werden Migrantinnen darüber informiert? Wie werden die Angebote angenommen?

5. Welche strukturellen Ansätze sind notwendig, um ein kultursensibles Bewusstsein zu etablieren bzw. zu erweitern?

Begründung

Im Bereich Migration und Gesundheit gibt es einen großen Handlungsbedarf. Das Suizidrisiko bei jungen Frauen mit muslimischem Hintergrund ist 1,8 mal höher als bei gleichaltrigen deutschen Frauen, also fast doppelt so hoch. Bei Selbstmordversuchen liegt die Zahl der 18-35-Jährigen Migrantinnen fast sechs Mal höher (Panorama 05.07.2010).

Die Ursachen für diese Tatsache sind wenig erforscht und bewegen sich eher im Bereich der Hypothesenbildung. Bekannt ist:

· Die Selbstmordrate ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen und „insbesondere türkisch-stämmige Mädchen im Alter von 10-17 Jahren haben eine deutliche höhere Suizidrate als Mädchen ohne Migrationshintergrund“ (13. Kinder- und Jugendbericht des Bundesmininsteriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009).

· Es gibt nicht die eine Ursache, sondern verschiedene Faktoren, die die individuelle Gesundheit beeinflussen. Dazu gehören z. B. Bildungsniveau, Einkommen, Wohnungssituation, soziale Einbindung und Umwelt. Auch die Nutzung der bestehenden medizinischen Angebote – der „Verlauf der Interaktion mit dem deutschen Gesundheitssystem“ spielt eine wichtige Rolle (Deutscher Ethikrat, Tagungsdokumentation Migration und Gesundheit, 2010).

Sind mehrere dieser Faktoren negativ (z. B. niedriges Bildungsniveau und Einkommen, schlechte Wohnungssituation) – was häufig auch auf Jugendliche mit Migrationshintergrund zutrifft –, so „zeigen sich zunehmend chronische und psychosomatische Krankheitsbilder.“ (ibid. 13. Kinder- und Jugendbericht)

Finanziert vom Bundesforschungsministerium wurde 2009 an der Berliner Charité das Projekt „Suizidraten und Suizidprävention bei Berliner Frauen mit türkischem Migrationshintergrund“ gestartet, das im Herbst 2011 abgeschlossen sein wird. Untersucht werden (per Datenerhebung an Berliner und Hamburger Rettungsstellen) die Gründe für die hohe Suizidrate; Ziel ist die Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung präventiver Maßnahmen wie z. B. Multiplikatorenschulungen, der Einrichtung einer hotline und Medienkampagnen.

Auch für München ist es wichtig, belastbare Daten zu haben, um gezielt das Bewusstsein für die Problematik zu fördern und auch Migrantinnen über Präventionsmaßnahmen zu informieren oder diese Maßnahmen zu variieren.

Fraktion Bündnis 90/die Grünen-rosa liste

Initiative:
Gülseren Demirel
Siegfried Benker
Lydia Dietrich
Dr. Florian Roth
Dr. Florian Vogel, Stadtrat

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