Migrationsgeschichte als Teil der Münchner Stadtgeschichte dauerhaft erforschen, sammeln und sichtbar machen

Antrag

Migrationsgeschichte als Teil der Münchner Stadtgeschichte dauerhaft erforschen, sammeln und sichtbar machen

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Die Erforschung, Sammlung und Darstellung der Migrationsgeschichte der Stadt München wird als Querschnittsaufgabe verstanden und federführend im Stadtmuseum vorangetrieben – aber auch im Stadtarchiv und in allen anderen städtischen Kulturinstitutionen entsprechend verankert.

2. Um dies zu erreichen, wird von Seiten des Stadtmuseums und des Stadtarchivs ein Konzept erarbeitet, das sich eng an den – zwischenzeitlich leider abgelehnten – Förderantrag „Perspektive Migration“ anlehnt. Ziel soll es sein,

a. die Bestände der Münchner Institutionen zu sichten und unter dem Blickwinkel Migrationsgeschichte zu archivieren und nach außen sichtbar zu machen.

b. Bestände zur Migrationsgeschichte aktiv zu sammeln

c. in enger Zusammenarbeit mit den Migrantenorganisationen in München den Erwerb von Objekten und Archivmaterialien sicher zu stellen

d. diese Arbeit wissenschaftlich zu begleiten

e. aber auch durch einen Beirat begleiten zu lassen, in dem VertreterInnen der Migrantenorganisationen in München vertreten sind.

Die Personal- und Sachkostenanforderungen hierfür sind darzustellen.

3. Die Ergebnisse des „Vorprojektes Migration“ sind darzustellen und einzubeziehen.
Begründung:

Aufgrund eines Antrages der Fraktionsgemeinschaft Die Grünen-rosa liste vom 16.12.2009 sowie der Anträge des Ausländerbeirates vom16.11.2009, führte das Stadtarchiv München in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum München 2010 das Kolloquium Migranten in München, archivische Überlieferung und Dokumentation zur Migration in München durch. Als Ergebnis konnte u. a. festgehalten werden, dass eine dringende Notwendigkeit gesehen wird, sich konzeptionell mit dem Thema Migrationsgeschichte in den Münchner Institutionen zu befassen. Einig waren sich auch alle, dass Migrationsgeschichte nicht „nur“ die letzten ca. 50 Jahre der Arbeitsmigration umfassen kann, sondern die Wanderungsbewegungen nach (und von) München in den Blick nehmen muss. Als Konsequenz aus dem Fachtag von 2010 wurde ein „Vorprojekt Migration“ des Münchner Stadtmuseums und des Stadtarchivs München mit zwei Mitarbeiterinnen durchgeführt. Dieses ist inzwischen abgeschlossen.

Um sich dem Thema konzeptionell und kontinuierlich zu nähern, wurde gemeinsam mit der LMU München sowie der Georg-August Universität Göttingen vom Stadtarchiv und dem Stadtmuseum ein Förderantrag bei der VW-Stiftung eingereicht: „Perspektive Migration – Neue Inhalte, Methoden und Vermittlungswege für die kommunale Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit“. Dieser Antrag ist zwischenzeitlich leider abgelehnt.

Dies bedeutet, dass die notwendige Ausstattung von Stadtmuseum und Stadtarchiv mit den notwendigen Stellen, um die Forschungs- und Vernetzungsarbeit zu gewährleisten nicht über eine Stiftung erreicht werden kann. Gleichzeitig sind sich alle beteiligten Stellen aber einig, dass es dringend notwendig ist, sich der Migrationsgeschichte Münchens anzunehmen.

Insbesondere die erste und zweite sog. Gastarbeitergeneration ist inzwischen in einem Alter, das es notwendig macht, aktiv und aktuell Bestände der Migrationsgeschichte zu sichern – sei es von Privatpersonen oder von Migrantenorganisationen oder Einrichtungen. Darüber hinaus ist es aber auch notwendig, sich der Migrationsgeschichte insgesamt zuzuwenden. Damit die Erforschung der Migrationsgeschichte jetzt nicht aufgrund des abgelehnten Förderantrages bei der VW-Stiftung ins Stocken gerät, ist es dringend notwendig, dass der Stadtrat die weitere Arbeit in diesem Bereich sichert.

Da das Stadtmuseum bereits ermöglicht hat, dass eine Wissenschaftlerin sich vorübergehend dem „Vorprojekt Migration“ widmen konnte, wäre es sinnvoll, das Projekt dort anzusiedeln – natürlich in enger Kooperation mit dem Stadtarchiv sowie der Stelle für interkulturelle Arbeit.

Fraktion Die Grünen-rosa liste
Initiative:
Siegfried Benker
Gülseren Demirel
Dr. Florian Roth
Mitglieder des Stadtrates

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