Münchner Stadtbäche wieder beleben – freilegen und zugänglich machen

(Antrag) Die Stadtverwaltung wird gebeten zu prüfen, wie die Stadtbäche zugänglicher gemacht und (bei überbauten Bächen) freigelegt werden können. Dabei sollen die Vorschläge von Organisationen wie Green City oder Münchner Forum mit berücksichtigt werden und ein Dialog mit der Zivilgesellschaft und den Bürgerinnen und Bürgern geführt werden.

 

Insbesondere folgende Ideen sind dabei zu berücksichtigen:

 

1. Der an der Pestalozzistraße verlaufende überbaute Glockenbach könnte freigelegt werden (Vorschlag von Franz Schiermeier/Geschichtswerkstatt Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt des Vereins Münchner Stadtteilgeschichte e.V. und Wolfgang Heidenreich/Green City) und damit dem Glockenbachviertel sein namensgebendes Gewässer zurückgegeben werden.

 

2. Der vor dem Sendlinger Tor und an der Herzog-Wilhelm-Straße in einigen Metern Tiefe fließende Westliche Stadtgrabenbach könnte mit einer hydraulischen Pumpe zumindest teilweise hochgepumpt werden (Vorschlag von Klaus Bäumler/Münchner Forum); wobei dies in den Grünanlagen in der Herzog-Wilhelm-Straße als Kunstprojekt (wozu ein Wettbewerb auszurichten wäre) denkbar sei (Vorschlag von Wolfgang Heidenreich/Green City)

 

3. Alternativ könnte als große Lösung dieser parallel zur Sonnenstraße verlaufende Westliche Stadtgrabenbach umgeleitet werden und offen in der Mitte der Sonnenstraße verlaufen (Vorschlag des Architekten Stefan Braunfels aus dem Jahr 1985).

 

4. Am Lenbachplatz vor dem BMW-Pavillon und westlich der Neuen Herzog-Max-Burg sowie an der Grünanlage am Maximiliansplatz könnte der Westliche Stadtgrabenbach offen geführt werden (Vorschlag von Karl Klühspiels/Münchner Forum aus dem Jahr 1980).

 

5. Punktuell könnte der überbaute Verlauf des Westlichen Stadtgrabenbachs am Karlstor bzw. am. Odeonsplatz geöffnet bzw. durch eine verglaste Öffnung sichtbar gemacht werden (am Gebäude der Max-Planck-Gesellschaft an der Hofgartenstraße ganz in der Nähe des Odeonsplatzes verläuft der Bach schon offen).

 

6. Der überbaute, im Lehel verlaufende Stadtsägmühlbach, der unter der St.-Anna-Pfarrkirche zur Unsöldstraße und weiter zur Prinzregentenstraße verläuft und in der Prinzregentenstraße im Innenhof eines Privatgründstücks geöffnet wurde, könnte am St.-Anna-Platz sichtbar gemacht werden.

 

7. An dem meist offen verlaufenden Auer Mühlbach ist ein möglicher, durchgehend begleitender, Fußweg durch das sich im Besitz der „Armen Schulschwestern“ befindliche Grundstück unterbrochen. Hier könnte der Bach erlebbar gemacht werden; dafür sollte eine Einigung mit den Besitzerinnen angestrebt werden. Vorstellbar ist auch ein über dem Wasser schwebender Steg, der am Grundstück der Ordensschwestern vorbeiführt (Vorschlag Klaus Bäumler/Münchner Forum aufgrund einer Idee eines Studentenprojekts unter Leitung von Tomas Valena und Thomas Will).

 

8. Am Eisbach zwischen Tivolistraße und Mittlerer Ring sollte geprüft werden, ob in Absprache mit den Eigentümern die Erlebbarkeit etwa durch einen öffentlich zugänglichen Weg verbessert werden kann (Vorschlag von Klaus Bäumler/Münchner Forum).

 

Begründung:

 

„Die Stadt München hat sich die Wiederöffnung der Stadtbäche zum Ziele gesetzt“, schrieb im Jahre 2004 der damalige Baureferent Horst Haffner. Dies allmählich vergessene Ziel wollen wir wieder ins Gedächtnis rufen.

In München gibt es noch 175 km Bachläufe, früher waren es gar ganze 300 km.

Doch leider ist nur ein kleiner Teil oberirdisch, ökologisch nicht beeinträchtigt und für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich.

Jahrhundertelang hat dieses Gewässernetz München geprägt und der Stadt als energiespendende Lebensader gedient. Gerade im letzten Jahrhundert fiel aber ein großer Teil dieser Bäche Modernisierungsmaßnahmen zum Opfer.

 

Einen Teil der zubetonierten Stadtnatur wieder zu beleben, sollte heute Ziel sein. Die Lebensqualität und Attraktivität Münchens könnte dadurch nur gewinnen. Auch das Mikroklima wird durch Bäche, die als Frischschluftschneise für Kühlung und Durchlüftung sorgen, in Zeiten des Klimawandels gerade in heißen Sommern positiv beeinflusst.

Schon 1977 gab es aus dem Stadtrat Anregungen zu einer Wiederbelebung der Bäche. Und 1980 forderte Karl Klühspies die Wiederbelebung der Bäche, damit München wieder das „Venedig des Nordens“ werde.

 

1984 wurde vom Stadtrat beschlossen, Vorschläge zur Rekultivierung und Neuanlage dieser Gewässer vorzutragen. 2000 begann man damit, Teile des Auer Mühlbachs von der Betondecke zu befreien.

 

2014 wurde die Freilegung des Hachinger Bachs auf den Weg gebracht. Derzeit legt z.B. eine private Wohnbaugesellschaft in der Wohnanlage des ehemaligen Rodenstockgeländes einen Teil des dort unterirdisch fließenden Westermühlbachs wieder frei.

 

Organisationen wie Green City oder das Münchner Forum haben immer wieder Vorschläge gemacht, wie entweder unterirdisch fließende Bäche wieder freigelegt, oder frei fließende Bachteile, die auf Privatgelände verlaufen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Stadtverwaltung und Initiativen sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger sollten sich dazu an einen Tisch setzen, um auszuloten, inwieweit diese Ideen verwirklicht werden können.

 

Wie erfolgreich solch eine Bachfreilegung sein kann, zeigt das Beispiel der dänischen Stadt Aarhus, wo ein, in den 1930ern Jahren überbauter, Lauf des Aarhus Å in den letzten Jahren freigelegt wurde (1). Weitere Städte wie Wittenberg (2), Zürich (3) und Wiesbaden (4) sind dabei, ihre Bäche wieder offen fließen zu lassen.

 

Fraktion Die Grünen-rosa liste

 

Initiative:

Dr. Florian Roth

Sabine Krieger

Katrin Habenschaden

 

Mitglieder des Stadtrates

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Aarhus_%C3%85

 

(2) http://www.wittenberg.de/staticsite/staticsite.php?menuid=489&topmenu=6

 

(3) https://www.stadt-zuerich.ch/content/dam/stzh/ted/Deutsch/erz/Sauberes_Wasser/Publikationen_und_Broschueren/SW_DasBachkonzept_1306.pdf

 

(4) http://www.fr-online.de/wiesbaden/bachfreilegung–neues-wasser-fuer-die-stadt,1472860,21983806.html

 

 

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