Musikstadt München: Verlagerung der Philharmonie in die Paketposthalle prüfen

Antrag

 

Die Stadtverwaltung prüft, ob die musikalischen Funktionen des Gasteig inklusive der Philharmonie (aber auch der Hochschule für Musik und Theater) an einen anderen Standort verlagert werden können. Dabei wird primär der Standort der Paketposthalle in den Blick genommen.

 

Begründung:

Eine Modernisierung des Gasteig incl. der Philharmonie würde wahrscheinlich über eine halbe Milliarde Euro kosten, zu einer mehrjährigen Schließung führen und wäre wie alle Bestandssanierungen mit unabsehbaren Risiken und vielen Begrenzungen verbunden.

Schon zum 25jährigen Jubiläum des Gasteig im Jahre 2010 schrieb der Architekt Stefan Braunfels in der Süddeutschen Zeitung, es sei „schon tragisch, dass die Verbesserung der Akustik im Gasteig heute nur mit einem Umbau zu erreichen ist, der mehr als 200 Millionen Euro kosten würde, also mehr als der ganze Gasteig damals gekostet hat“ – und plädierte für einen „Neubau“ als die „richtigere Lösung“ (SZ vom 10.11.2010).

Wie die Reise des Kulturausschusses im Herbst 2015 nach Paris und die dort besuchte, Anfang 2015 eröffnete Philharmonie de Paris gezeigt hat, ist es möglich (selbst in einer tendenziell noch teureren Stadt als München) mit geringeren finanziellen Aufwendungen ein fast gleich großes kulturelles Zentrum neu zu bauen. Die Kosten betrugen 380 Millionen Euro bei einer Größe von 67.500 m2 (der Gasteig verfügt über eine Fläche von ca. 80.000 m2). Dort ist nicht nur ein moderner, akustisch herausragender Konzertsaal mit 2.400 Plätzen (wie in der Münchner Philharmonie) entstanden, sondern auch weitere Räume wie 15 Probenräume, 2000 m2 pädagogisch genutzte Räumlichkeiten, eine große Ausstellungsfläche und ein Restaurant untergebracht. Der von vielen skeptisch beäugte Schritt, von einem Standort im unmittelbaren Zentrum in die nördliche Peripherie zu gehen, hat sich als Erfolg erwiesen: Nicht nur das traditionelle Publikum hat dieses spektakuläre Bauwerk angenommen, sondern es wurden auch ganz neue Schichten erschlossen.

Angesichts dieses Vergleichs erscheint es fraglich, ob die erwarteten Kosten für eine umfassende Sanierung und Modernisierung des Gasteig verhältnismäßig sind. Deshalb wurde fraktionsübergreifend vereinbart, auch die Variante Abriss und Neubau zu prüfen – und die verschiedenen Funktionen der bisherigen Gasteignutzung hinsichtlich ihres Veränderungsbedarfs getrennt zu untersuchen.

Es wäre nun zu überlegen, die musikalischen Funktionen, wie sie bisher etwa in der Philharmonie, dem Carl-Orff-Saal, dem Kleinen Konzertsaal, den Räumlichkeiten für die Münchner Philharmoniker und für die Hochschule für Musik und Theater untergebracht sind, an einen anderen Standort zu verlagern.

Das müsste nicht unbedingt mit einem völligen Abriss des Gasteig einhergehen, sondern wäre auch mit Varianten wie Umnutzung, Umbau oder Teilabriss vereinbar. Münchner Stadtbibliothek und Räumlichkeiten für die Münchner Volkshochschule könnten am Gasteig-Standort verbleiben.

Jedoch würde an einem Ort in dieser Stadt eine umfassende „Musikstadt München“ entstehen. Konkrete Ideen und Entwürfe dazu gibt es für die bisherige Paketposthalle unter dem Titel „Die Resonanz“. Bis vor Kurzem war dieses Gebäude für den Neubau des Freistaats für den Bayerischen Rundfunk im Gespräch (jetzt wird das Gebäude als Interimsspielort für die Phiharmoniker währen des Gasteigumbaus geprüft). Nach der Entscheidung für das Werksviertel als Standort für das Landesprojekt könnten die Ideen auf eine städtische Nutzung mit einer Neuen Philharmonie als Zentrum, aber noch weiteren Nutzungen und Räumlichkeiten, übertragen werden. Hier würde ein Ort entstehen, an dem sich sog. „Hochkultur“ mit kultureller Bildung und musikalischen Aktivitäten breiter Schichten, sog. E-Musik und sog .U-Musik, städtisches Orchester und freie Musikszene produktiv verbinden können – analog der Philharmonie von Paris.

Ein solches Modell hätte viele weitere Vorteile und Chancen (natürlich aber auch Risiken wie die vorab im Dialog mit der Post zu prüfende Verfügbarkeit der Paketposthalle):

  • Von einer mit öffentlichen Verkehrsmitteln optimal angebundenen Stelle (S-Bahnhaltestelle Hirschgarten in wenigen Gehminuten erreichbar wie auch Tram und Bus) könnten Impulse für die Entwicklung eines Stadtteils außerhalb des unmittelbaren Zentrums ausgehen (gerade für das nahe gelegene neue Wohnviertel am Hirschgarten) – was einen großen Gewinn für den Münchner Westen darstellen würde. In einer wachsenden Stadt darf sich die Kultur nicht nur auf den Innenstadtbereich konzentrieren. Auch kulturell pulsierende Subzentren stehen dem München der Zukunft gut an.
  • Eine Auslagerung während einer jahrelangen Bauzeit und vorab eine lange Suche nach Interimsstandorten für Philharmoniker und Hochschule für Musik und Theater würden sich erübrigen.
  • Architektonisch ergäbe sich eine große Chance, ein bestehendes Baudenkmal mit ganz neuen Formen und Nutzungen zu bereichern.
  • Es könnte an bereits entwickelte Ideen aus der Bürgerschaft angeknüpft werden.
  • Man könnte ohne die Begrenzungen, die sich aus der bisherigen Hülle des Gasteig ergeben, einen wirklich modernen und akustisch optimalen Konzertsaal bauen, der sich der internationalen Konkurrenz aber auch dem partnerschaftlich-produktiven Wettstreit mit dem neuen Konzertsaal des Freistaats stellen könnte

Eine solche mutige Option sollte deshalb zumindest ernsthaft geprüft werden.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages

Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:
Dr. Florian Roth
Thomas Niederbühl
Anna Hanusch
Sabine Krieger

 

 

Mitglieder des Stadtrates

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