Ort der Begegnung für Roma und Sinti in München

Antrag

Das Kulturreferat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit Selbstorganisationen der Minderheit das Projekt eines kultureller Begegnungsstätte für Sinti und Roma in München auf den Weg zu bringen.

Begründung:
In München leben mehrere Tausend Sinti und Roma in ganz unterschiedlichen Lebensverhältnissen. Seit Jahrhunderten gehört diese Minderheit zu München und hat wertvolle Beiträge zur Kultur dieser Stadtgesellschaft geleistet.
Zu dieser Geschichte gehört aber auch ein immer noch virulenter Antiziganismus, der im nationalsozialistischen Völkermord seinen Höhepunkt fand. München hat hier eine besonders unrühmliche Rolle gespielt. Bereits 1899 wurde in München der reichsweit erste „Nachrichtendienst für die Sicherheitspolizei in Bezug auf Zigeuner“ in der Polizeizentrale in der Ettstraße gegründet. Von der Polizeizentrale in der Ettstraße nahmen auch die Deportationen der Sinti und Roma in die Konzentrationslager ihren Ausgang. Im Frühjahr 1943 wurden mindestens 141 Roma und Sinti familienweise deportiert. Den größten Transport vom 13. März 1943 nach Auschwitz-Birkenau begleitete der Leiter der ‘Dienststelle für Zigeunerfragen’ August Wutz persönlich. Die deutschlandweite Funktion dieser Behörde wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Form der sog. „Landfahrerstelle“ weitergeführt, bis sie erst 1970 wegen Grundgesetzwidrigkeit aufgelöst wurde. Erst vor zwei Jahren hat sich das NS-Dokumentationszentrum in einer Ausstellung mit der Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma auseinandergesetzt (>>>Hier).

Antiziganismus ist auch heute noch sehr verbreitet. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2014 zeigt etwa, dass jeder dritte Deutsche Sinti und Roma als Nachbarn “sehr oder eher unangenehm” fände und jeder zweite denkt, dass Sinti und Roma durch ihr eigenes Verhalten Feindseligkeit hervorrufen (>>>hier).

Inzwischen gibt es in München verschiedene Einrichtungen, Projekte und Veranstaltungen, die sich mit Geschichte und Gegenwart dieser Volksgruppe auseinandersetzen, in denen das kulturelle Leben dieser Volksgruppe ihren Ausdruck findet und soziale Arbeit für diese Minderheit geleistet wird. Doch fehlt ein zentraler Ort des Austausches und der kulturellen, sozialen und bildungspolitischen Arbeit.  Deshalb sollte das Kulturreferat in Zusammenarbeit mit den Selbstorganisationen der Minderheit ein Projekt auf den Weg bringen, das zur Etablierung eines kulturellen Begegnungs-, Bildungs- und Dokumentationszentrum für Sinti und Roma in München führt. Vorbild kann hierbei „Rhomnokher“ in Mannheim sein, “ein Ort der Begegnung und des Dialogs zwischen Minderheiten und Mehrheiten; ein Ort der Information, Beratung und Betreuung für Sinti und Roma; ein Ort der Kultur und der Bildung sowie ein Ort der Aufklärung und Auseinandersetzung mit dem Antiziganismus” (>>>hier).

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste
Initiative:
Dr. Florian Roth
Gülseren Demirel
Jutta Koller
Anja Berger

Mitglieder des Stadtrates

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