Donnerstag, 23. November 2017

Der Schildbürgerstreich, zweiter Akt: Rückkehr zu Microsoft, egal was es kostet

P R E S S E M I T T E I L U N G

 

Gestern hat der Verwaltungs- und Personalausschuss mit den Stimmen von CSU und SPD weitere kostspielige Schritte weg von Open Source und hin zum Quasi-Monopolisten Microsoft beschlossen. Die Gesamtkosten wurden in der öffentlichen Vorlage verschwiegen und sollen nun auf Druck der grünrosa Fraktion mit einem Deckblatt auf der Beschlussvorlage für die Vollversammlung in zwei Wochen ergänzt werden. Ob damit wirklich Transparenz hergestellt wird oder ob Kosten geschönt werden, ist abzuwarten.
Fraktionschef Dr. Florian Roth hat die Ausschussentscheidung scharf kritisiert: „Erst sollte der gesamte Finanzteil unter Ausschluss der Öffentlichkeit beraten und entschieden werden, obwohl es um hohe zweistellige Millionenbeträge geht (vielleicht sogar dreistellige für die Migration zu Windows und zu Microsoft Office insgesamt). Selbst der Teil unseres Fragenkatalogs zu den Kosten und zu Sicherheitsfragen der zukünftigen städtischen IT, der offenkundig öffentlich behandelt werden könnte, soll nichtöffentlich beraten werden – angeblich wegen der ‘besseren Lesbarkeit’. Das ist inakzeptabel. Genauso absurd ist es, jetzt teure Schritte Richtung Microsoft zu beschließen, bevor – wie geplant – durch externe Fachleute die Wirtschaftlichkeit geprüft worden ist. Außerdem wird zwar die endgültige Entscheidung über die Office-Anwendungen auf 2018 verschoben, aber dennoch schon der teure Kauf von 6.000 Lizenzen beschlossen. Schilda lässt grüßen.“
Dr. Roth erneuert zudem seine Kritik an der Vernachlässigung von Sicherheitsfragen und der falschen Prioritätensetzung bei der Neuausrichtung der städtischen IT:
„Es ist in Fachkreisen unumstritten, dass eine Monokultur nur mit Microsoft-Produkten bei Betriebssystem und Office-Anwendungen ein höheres Risiko für Cyber-Attacken aufweist als eine vielfältige Landschaft, zu der auch und gerade Open-Source-Produkte zählen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt deshalb auch vor einer solchen Monokultur, welche die Große Koalition im Rathaus jetzt leider auf den Weg gebracht hat: ‘Ziel ist es Monokulturen zu vermeiden, weil diese leichter angreifbar und daher sicherheitstechnisch bedenklich sind. Das führt zu einer größeren Auswahl an Software und garantiert damit mehr Hersteller-Unabhängigkeit. Zudem verhindert Software-Vielfalt die Bildung von Monopolen und deren negativen finanziellen Auswirkungen’ (>>>hier).
Deshalb hat das BSI selber beschlossen, „auf eine heterogene Umgebung von Clients und Servern [zu] migrieren, die sowohl Windows-System als auch Linux-Systeme umfasst“. Genau eine solche Mischung wäre für München sowohl kostengünstiger, weniger aufwändig (da wir eine solche Mischung schon haben, sie nur austarieren und modernisieren müssten) und eben deutlich sicherer. Das Bundesland Schleswig-Holstein geht daher momentan genau den umgekehrten Weg in Vergleich zu München – hin zu Open-Source-Systemen (>>>hier). Und auch in Großbritannien wird jetzt auf LibreOffice statt auf Microsoft Office gesetzt – genau wie es der Gutachter Accenture auch vorgeschlagen hat (>>>hier). Warum die Stadt München also gegen die Warnungen des BSI, gegen den Trend und auch gegen den eigenen Gutachter (der für LibreOffice und eine Mischung von Windows und LiMux plädierte) auf die Zwangsbeglückung aller Referate und Abteilungen mit Windows und MS Office setzt, ist unerklärlich. Hier wird Geld zum Fenster rausgeschmissen, Kompetenzen im Open-Source-Bereich preisgegeben, die Verwaltung mit einer aufwändigen Totalmigration über Jahre beschäftigt und von wichtigeren Aufgaben abgehalten – statt perspektivisch auf plattformunabhängige Lösungen mit Virtualisierungen und Clouds zu setzen. So verschläft München die Zukunft – aus wieder entdeckter Liebe zu dem seit ein paar Jahren in München ansässigen Konzern Microsoft.“

 

 

 

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