Übergangsklassen heißen bald „Deutschklassen“ – welche Auswirkungen hat dies auf die Landeshauptstadt München?

Anfrage

Laut Bericht der Süddeutschen Zeitung1 plant die bayerische Staatsregierung eine Umstrukturierung der bisherigen Übergangsklassen hin zu sog. Deutschklassen. In diesen Klassen sollen Flüchtlingskinder in einem rhythmisierten Ganztag unterrichtet werden. Die Stundentafel wird hierfür deutlich erweitert, dazu sollen Fächer wie „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ kommen. Da derzeit großer Personalmangel an Grund- und Mittelschulen herrscht, wird von Seiten der Lehrerverbände und Gewerkschaften bereits Kritik an diesem Konzept laut. Zudem wird hier ein zusätzliches System aufgebaut, welches rein darauf ausgelegt ist, Stoff einzuüben und Werte abzufragen. Bisher erhalten Kinder in den Übergangsklassen zwei Jahre Zeit um die Sprache zu lernen und mit angemessener Zeit an den Unterricht in den regulären Klassen herangeführt zu werden. Dies soll nun auf ein Jahr verkürzt werden und kann somit für viele SchülerInnen zum Problem werden, wenn sie innerhalb dieser Zeit schlicht noch nicht reif für eine normale Klasse sind. Ein ganzheitlicher Ansatz, welcher von Anfang an auf Integration ausgelegt ist, sieht anders aus. In der sogenannten „Sprach- und Lernpraxis“ sollen Angebote gemacht werden, die durch die Träger der Jugendhilfe betrieben werden und auch über Ganztagesklassen abgedeckt werden sollen. Allerdings können Grund- und Mittelschulen dann wohl keine neuen Ganztagesklassen mehr beantragen. Also geht dies auf Kosten der anderen Ganztagesklassen oder sie fehlen dann erstmal im nächsten Schuljahr. Damit zeigt sich, dass das Konzept nicht durchdacht und zeitlich absolut fehl geplant ist.

Wir fragen daher:

1.) Inwieweit ist die Landeshauptstadt München von den Plänen des Freistaats betroffen?

2.) Wie beurteilt das Referat für Bildung und Sport das neue Konzept des Freistaats?

3.) Sieht das Referat für Bildung und Sport die Möglichkeit, dass flächendeckend an Münchner Grund- und Mittelschulen ein solches Konzept zum nächsten Schuljahr umgesetzt werden kann?

4.) Werden alle Übergangsklassen durch „Deutschklassen“ ersetzt oder können Übergangsklassen weiterhin bestehen bleiben?

5.) Was geschieht wenn SchülerInnen nach dem einjährigen Besuch der Deutschklassen noch nicht so weit sind um angemessen in einer Regelklasse unterrichtet zu werden?

6.) Trifft es zu, dass Grund- und Mittelschulen keine neuen regulären Ganztagesklassen mehr beantragen können, wenn sie – und die beteiligten Träger der Jugendhilfe – in das neue Verfahren eingebunden sind?

7.) Werden Ressourcen von Seiten der Stadt benötigt um dieses Konzept umzusetzen?

8.) Sind die Träger der Jugendhilfe als aktive Gestalter im Ganztag in dieses Konzept mit eingebunden?

9.) Inwieweit werden die Schulleitungen in die Umsetzung dieses Prozesses eingebunden?

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Beantwortung unserer Anfrage.

Initiative:
Anja Berger
Jutta Koller
Sabine Krieger
Oswald Utz
Dr. Florian Roth
Gülseren Demirel
Mitglieder des Stadtrates

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