Wie steht es um die Freiwillgendienste in München?

Anfrage:

Wie steht es um die Freiwillgendienste in München?

Am 1. Juli 2011 startete der neue Bundesfreiwilligendienst (BFD) und trat somit an die Stelle des Zivildienstes, der mit dem Aussetzen der Wehrpflicht zum 30. Juni 2011 wegfiel. Seither fallen die Bilanzen über den Erfolg des Freiwilligenengagements höchst unterschiedlich aus. Der Presse und den Meldungen des Bundesministeriums für Familie, Soziales, Frauen und Jugend (BFSFJ) ist zu entnehmen, wie außerordentlich erfolgreich der neue Bundesfreiwilligendienst anläuft: laut BFSFJ sind die ca. 90.000 Zivildienststellen jedoch durch gerademal 35.000 BFD Stellen ersetzt worden, zusätzlich zu den bestehenden 35.000 Stellen für Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Entsprechend klingen die Rückmeldungen aus der sozialen Szene in München. Viele der ehemaligen Zivildienststellen blieben unbesetzt, ein Teil der bisher von Zivis erbrachten Leistung und Arbeit wird von hauptamtlichen Kräften kompensiert, ein großer Teil der Arbeit bleibt liegen. Es wird vermutet, dass sich die Situation derzeit noch nicht so drastisch darstellt wie sie eigentlich ist, da durch den doppelten Abiturjahrgang einige junge Menschen im Bundesfreiwilligendienst „geparkt“ sind, weil sie keinen Studienplatz bekommen haben.

Aber nicht nur die geringe Nachfrage nach und Besetzung von Bundesfreiwilligendienststellen stellt die betroffenen Einrichtungen vor massive Herausforderung, sondern auch der freiwillige Aspekt des Dienstes. Während der Zivildienst ein Pflichtdienst war und Zivildienstleistende somit weisungsgebunden, ist der BFD ein rein auf Freiwilligkeit basierender Dienst. Freiwillige wollen aber nicht unbedingt jede Arbeit verrichten. Dadurch sind BFDlerInnen in der alltäglichen Arbeit der betroffenen Einrichtungen und Institutionen oft nicht auf die gleiche Weise einsetzbar wie es Zivis waren. Desweiteren gab es beim Zivildienst eine feste Anzahl von Dienstmonaten, bei den Freiwilligendienste ist die Dauer flexible (6-24 Monate). Ein Zivi erhielt ein Sold von ca. € 500,-, beim BFD wird ein Taschengeld gezahlt, weitere Leistungen wie Fahrtkosten oder Wohngeld kann der Träger auf freiwilliger Basis zahlen, es sind aber weder Heilfürsorge noch Familienheimfahrten vorgesehen. Soldatinnen und Soldaten erhalten ohnehin mehr Geld als BFDlerInnen. Aus Sicht der BFDlerInnen ist dieser neue Freiwilligendienst v.a. durch die geringe Bezahlung nicht sonderlich attraktiv und zielt wie auch das FSJ eigentlich auf junge Menschen, da sich niemand sonst wirklich ein solches Engagement leisten kann.

Es scheint nach wie vor sinnvoll und notwendig, die freiwilligen Dienste in München auf solide Beine zu stellen und sich über ein mögliches Anreizsystem Gedanken zu machen. Um etwaigen Handlungsbedarf zu eruieren bedarf es jedoch einiger Daten und Fakten. Dies sollen zunächst bei exemplarisch ausgewählten Verbänden, Einrichtungen, Initiativen und Institutionen in stichprobenartiger Form untersucht und dem Stadtrat dargestellt werden.

Wir fragen daher:

1.) Wie schätzen die Münchner Institutionen, Verbände, Einrichtungen und Initiativen wie die Alten- und Service Zentren, Kindergärten, Träger der Freien und öffentlichen Wohlfahrtspflege, offene Kinder- und Jugendarbeit, Behindertenarbeit etc. die Situation nach Wegfall des Zivildienstes ein?

a.) wieviele BFD-Stellen fehlen bzw. wieviele ehemalige Zivistellen konnten nicht umgewandelt oder besetzt werden?

b.) Welche Erfahrungen haben sie in der Zwischenzeit gemacht?

c.) Welchen Problemen und Widerständen sind sie begegnet?

2.) Wie kompensieren die Einrichtungen, Initiativen und Verbände, die bei ihrer Arbeit bislang durch Zivildienstleistende untersützt wurden, den Verlust der Zivildienstleistenden? Wie haben sie ihre Arbeit umgestellt bzw. welche Alternativen haben sie ausprobiert?

 

Fraktion Die Grünen – rosa liste

Initiative:
Siegfried Benker
Gülseren Demirel
Jutta Koller
Mitglieder des Stadtrates

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