Wiederholerquoten an Münchner Schulen senken!

 

Antrag

Das Schul- und Kultusreferat wird beauftragt, einen Aktionsplan zur Senkung der Wiederholerquoten an Münchner Schulen zu entwickeln und umzusetzen. Dies soll insbesondere durch Ausweitung von besonders erfolgreichen Modellen aus städtischen Schulen, in denen durch intensive Maßnahmen eine starke Reduzierung der Klassenwiederholungen erreicht wurde, geschehen. Zu diesem Aktionsplan sollen u.a. effiziente Frühwarnsysteme, spezielle Unterstützungsangebote, individuelle zielgerichtete Förderung (ggf. auch in den Schulferien) und ein umfassender Ganztagsunterricht gehören.

Begründung
Im Schuljahr 2007/2008 haben in München ca. 5.000 Schülerinnen und Schüler die Klasse wiederholt. Laut Berechnungen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) für das Jahr 2007 bedeutet das in jedem Einzelfall Kosten in Höhe von Euro 3.700 (RealschülerInnen) bzw. 4.900 (GymnasiastInnen); stadtweit ergeben sich insgesamt annähernd 25 Mio. €. Dafür könnten viele sinnvollere Maßnahmen wie zusätzliche Förderstunden finanziert werden. In Bayern belaufen sich die durch Klassenwiederholungen verursachten Kosten auf 280 Mio. € (BLLV). Der Freistaat weist bundesweit die höchste Wiederholerquote auf. In Baden-Württemberg etwa ist der Prozentsatz halb so groß. In anderen Bundesländern – wie Hamburg, Bremen und Berlin – wird das Wiederholen gerade in Teilbereichen abgeschafft. Bei den PISA-Spitzenreitern wie Finnland, Norwegen und Japan gibt es kaum Sitzenbleiber.

Dass es sich hier um eine Verschwendung von Lebenszeit handelt, legt schon der von dem Bundesbildungsministerium und der Kultusministerkonferenz herausgegebene nationale Bildungsbericht nahe, der konstatiert, „dass es bei durchschnittlich jedem dritten Schüler im Verlauf seiner Schullaufbahn zu zeitlichen Verzögerungen kommt“, was eine im internationalen Vergleich hohe Quote sei. Der Bildungsbericht machte in diesem Zusammenhang aufmerksam „auf den mit der Klassenwiederholung verbundenen Mehraufwand an Bildungszeit und -kosten sowie darauf, dass sich im Durchschnitt die Leistungen von Schülern, die eine Jahrgangsstufe wiederholten, kaum verbessern“ (Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2008, S. 39, http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf). Außerdem, so ist zu ergänzen, stellt das „Durchfallen“ oftmals eine eher demotivierende Frustrations- und Ausgrenzungserfahrung dar und verzögert Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsbiografien auf eine volkswirtschaftlich schädliche Weise.
Wer vielleicht nur in einigen Fächern Defizite hat, sollte deshalb i.d.R. nicht ein ganzes Jahr in allen Fächern noch einmal absolvieren müssen – hier gibt es intelligentere Lösungen und zielgenauere Maßnahmen.
Zwar kann die Stadt München die in der Schulordnung vorgesehene Regelungen zum Vorrücken und Wiederholen nicht ändern. Was sie aber tun kann, ist, durch besondere Förderprogramme die Wiederholerquote weiter zu senken. Dies ist z.T. schon geschehen. So sind die Quoten etwa in der 8. Jahrgangsstufe der städtischen Realschulen in den letzten Jahren um fast die Hälfte gesunken. Und an einzelnen Schulen und Klassen mit intensivster Förderung und Ganztagsunterricht konnte die Anzahl derer, die nicht in die nächste Jahrgangsstufe vorrückten, auf Null oder annähernd Null reduziert werden. Hier kann die Stadt aber noch mehr tun und durch Ausweitung von erfolgreichen Modellen die Wiederholerquoten noch drastischer reduzieren.

Initiative:
Dr. Florian Roth
Stadtrat

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