Wo und in welchem Umfang wird im städtischen Einflussbereich Fleisch aus artgerechter Tierhaltung verwendet und verkauft?

Anfrage

In den letzten Wochen wird in den Zeitungen vermehrt über Massentierhaltung in Deutschland berichtet. Das ist gut so, denn es ist erschreckend, wie Zehntausende von Schweinen, Puten, Hühnern, Rindern und Kühen ihr kurzes Leben verbringen müssen.
Rinder werden ohne Betäubung kastriert und enthornt. Schweine sind eingepfercht in kleinen Boxen, die Kappung des Schwanzes und der Zähne sowie die Kastration finden ohne Betäubung statt. Durch degenerative Züchtungen (für große Schinken) können die Tiere nach einigen Wochen kaum noch laufen. Hühner werden in Ställen bis zu 39.000 Tieren zusammengepfercht. Ab einer gewissen Größe können sie sich nicht mehr bewegen. Durch die Anzüchtung großer Brüste können sie nach wenigen Tagen nicht mehr stehen. Unter diesen Lebensbedingungen erreichen sie nur mit der systematischen Vergabe von Antibiotika und Beruhigungsmitteln ihre ohnehin knappe Lebenszeit von meist nur 4-5 Wochen.
Auch die meisten Kühe stehen nicht auf den schönen grünen Weiden, wie es uns die Werbung suggerieren will, sondern in beengten Ställen, gefüttert mit Kraftfutter, statt Gras. Die Kälber werden ihnen nach der Geburt genommen. Diese erhalten dann auch Kraftfutter ohne Eisen – damit das Fleisch besonders weiß bleibt. Nach 16 Wochen ist ihr kurzes Leben vorbei.
Um möglichst billig zu produzieren, wird diese Art der Tierhaltung inzwischen fast nur noch von Subunternehmern betrieben, die ihre Arbeiter aus den armen Ländern der EU rekrutieren. In der ZEIT vom 11.12.2014 wird das Ausbeutungssystem eindringlich beschreiben. So heißt es dort:
„Das System funktioniert nur wegen einer Gesetzeslücke. Diese Lücke heißt Werkvertrag. Um den deutschen Arbeitsmarkt zu schützen, hat die Bundesregierung bei der Osterweiterung der Europäischen Union eine Klausel durchgesetzt: EU- Neubürger müssen bis zu sieben Jahre auf eine freie Arbeitsplatzwahl in den Mitgliedstaaten der EU verzichten. So, hoffte man, würde Deutschland nicht von Billigarbeitern überrannt werden. Irgendwer hat das Kleingedruckte übersehen: Die Dienstleistungsfreiheit galt trotzdem für die neuen Beitrittsländer. Betriebe aus den neuen Mitgliedstaaten der EU durften deshalb deutschen Unternehmen ihre Dienstleistungen anbieten – und zwar zu den Arbeitsbedingungen ihrer Länder. So arbeiten rumänische Arbeiter in Deutschland zu rumänischen Bedingungen. Und kein Staatsanwalt kann etwas dagegen tun.“
Diese Arbeiter hausen in unmenschlichen Unterkünften für 300 € Mietkosten pro Monat, ohne Rechte auf feste Arbeitszeiten und ohne klare Festlegungen über ihren Lohn. Dies sind unhaltbare Zustände, die wir durch Kauf und Verwendung dieses Fleisches unterstützen.
Gerade jetzt, da der Münchner Stadtrat beschlossen hat, die Förderung des Katzenhauses im Tierheim Riem von 500.000 € auf 750.000 € zu erhöhen, sollte es dem Stadtrat auch ein Anliegen sein, sich durch den Kauf und die Verwendung von Fleisch aus artgerechter Tierhaltung für bessere Lebensbedingungen der Tiere in der Fleischproduktion einzusetzen.

Deshalb fragen wir:

1. Welche städtischen Kantinen verkaufen Fleisch aus artgerechter Tierhaltung?

2. Welches Fleisch (Tier) wird wo angeboten?

3. Wieviel Prozent des Fleisches, das in städtischen Kantinen angeboten wird, stammt aus artgerechter Tierhaltung?

4. Ist diese Tierhaltung zertifiziert z.B. von Neuland, oder wie wird sichergestellt, das es artgerecht ist?

5. Wird bei städtischen Empfängen und auf städtischen Festen ( Christkindlmarkt, Oktoberfest…) Fleisch aus artgerechter Tierhaltung angeboten?

6. Wenn ja, wie viel Prozent des Fleisches sind von Tieren aus artgerechter Haltung? Von welchen Tieren?

7. Ist das Fleisch zertifiziert? Wenn nicht, wie wird sichergestellt, dass die Tiere artgerecht gelebt haben?

8. Bieten die städtischen Gesellschaften (SWM, Klinikum, Wohnungsbaugesellschaften…) in ihren Kantinen Fleisch aus artgerechter Tierhaltung an?

9. Wenn ja wie viel Prozent des Fleisches stammen von Tieren aus artgerechter Haltung? Von welchen Tieren?

10. Ist das Fleisch zertifiziert? Wenn nicht, wie wird sichergestellt, dass die Tiere artgerecht gelebt haben?

Fraktion Die Grünen/ rosa Liste
Sabine Krieger
Katrin Habenschaden
 

 

 

 

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