Zeitnahe Einführung mehrsprachiger und inklusiver Elternbriefe des Stadtjugendamts – Gesellschaftlicher Vielfalt Münchens gerecht werden

(Antrag) 1. Das Stadtjugendamt wird dazu aufgefordert, im Rahmen einer zeitnahen Neukonzeption das Elternbriefangebot um Übersetzungen für die fünf größten Gruppen von Münchner Bürgerinnen und Bürgern mit nichtdeutschprachigem Migrationshintergrund und Hauptwohnsitz in München zu erweitern.

2. Das auf diese Weise angepasste Elternbriefangebot wird der oben genannten Zielgruppe wie gehabt regelmäßig sowohl digital als auch postalisch zugestellt. Auch die Informationshomepage des Jugendamts wird entsprechend angepasst und die Dokumente auf Dauer digital zugänglich gemacht.

3. Zudem erarbeitet das Stadtjugendamt ein Konzept, wie alle weiteren Bevölkerungsgruppen mit nichtdeutschsprachigem Migrationshintergrund ausreichend über die Inhalte des Elternbriefs informiert werden können. Hierbei werden auch alle Bürgerinnen und Bürger mit nichtdeutschprachigem Migrationshintergrund ohne Erstwohnsitz in München einmalig postalisch und digital über die Möglichkeit des zahlungspflichtigen Erwerbs von Informationsmaterial informiert.

4. Sämtliche aktuellen und zukünftigen Ausgaben des Elternbriefangebots, deren postalische und digitale Übermittlung sowie die eigentlichen Inhalte werden hinsichtlich Barrierefreiheit und Inklusion evaluiert und dementsprechend konzeptionell angepasst.

Begründung:

Seit mehr als 40 Jahren informiert der Elternbrief des Stadtjugendamtes Eltern mit Hauptwohnsitz in München kostenfrei über die Vielzahl von individuellen Herausforderungen bei der Kindererziehung sowie über Präventionsangebote, Versorgungsstrukturen und Anspruchsberechtigungen. Der Elternbrief stellt damit für Münchner Familien eine große Hilfestellung dar und vermittelt zugleich das Gefühl der Zugehörigkeit zur Stadtgesellschaft.

Das aktuelle ausschließlich deutschsprachige Angebot wird der gesellschaftlichen Realität Münchens jedoch nicht gerecht. Der AusländerInnenanteil in München gehört mit 28,1 % (Stand Dezember 2018) deutschlandweit zu den höchsten. Mehr als 40% der Müncherinnen und Münchner haben einen Migrationshintergrund. Insgesamt leben in der Landeshauptstadt Menschen aus rund 180 Nationen. München ist damit eine multikulturelle Stadt und wird dies auch in Zukunft bleiben.

Aus diesem Grund sollten elementare Angebote der Stadt wie der Elternbrief konsequent und niederschwellig für alle Münchner Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht werden. Sprachliche Hürden dürfen hierbei keine Rolle spielen, denn ohne ausreichende Sprachkenntnisse stellen viele vermeintliche Selbstverständlichkeiten oftmals eine große Herausforderung dar. Vor allem der Elternbrief zeigt dabei unbürokratisch Hilfestellungen und Optionen sozialer Teilhabe auf.

Basierend auf der für Deutschland verpflichtenden UN Behindertenrechtskonvention und dem klaren Bekenntnis der Landeshauptstadt zu deren Umsetzung, muss das Elternbriefangebot weiterhin konsequent hinsichtlich Inklusion und Barrierefreiheit evaluiert und überarbeitet werden. Dies betrifft nicht nur die Frage des barrierefreien Zugangs zu Informationen. Auch individuelle Lebensrealitäten, Leistungsfähigkeiten, Bedürfnisse und Anspruchsberechtigungen von Eltern und Kindern mit Behinderungen müssen vom ersten Lebensjahr an inhaltlich berücksichtigt werden.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:

Jutta Koller
Oswald Utz
Anja Berger
Sabine Krieger

 

Mitglieder des Stadtrates

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