Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen

ANTRAG

 

Der Stadtrat möge beschließen:

1. Die Landeshauptstadt München errichtet ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Schwulen und Lesben.

Mit diesem Denkmal wollen wir

– die verfolgten und ermordeten Opfer ehren,

– die Erinnerung an das Unrecht wach halten,

– einen Gedenkort für individuelles und kollektives Gedenken, Erinnern und Trauern schaffen,

– ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Lesben und Schwulen setzen.

2. Das Denkmal wird am Oberanger errichtet.

3. Die Gestalt des Denkmals soll in einem künstlerischen Wettbewerb gefunden werden.

4. Bei einer Umgestaltung des Platzes der Opfer des Nationalsozialismus wird die Opfergruppe der Lesben und Schwulen berücksichtigt und ausdrücklich benannt.

Begründung:
Im Rahmen der Diskussionen zu neuen Formen des Erinnerns und Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wurde deutlich, dass von den fast dreihundert Erinnerungsorten in München keiner an die homosexuellen Opfer erinnert. Weder wird an die Verfolgungs-, Diskriminierungs- und Kriminalisierungsgeschichte der Münchner Lesben und Schwulen im Nationalsozialismus im öffentlichen Raum erinnert, noch gibt es einen zentralen, sichtbaren Gedenkort, der ein individuelles und kollektives Gedenken und Trauern ermöglicht.
Durch ein zentrales, öffentlichkeitswirksames und sichtbares Denkmal sollen diese Defizite endlich behoben werden.
Von 1933-1945 wurden etwa 50.000 bis 63.000 Männer wegen Homosexualität verurteilt, im Anschluss an die Gefängnisstrafe oft sog. Schutzhaft in Konzentrationslagern verfügt. Erste Einweisungen in das KZ Dachau fanden durch Einzelaktionen schon 1933 statt. In der Lagerhierarchie nahmen die „Männer mit dem Rosa Winkel“ meist die niedrigste Stufe ein.
Eine organisierte Homosexuellenverfolgung begann mit der „Nacht der langen Messer“ und der Ermordung des homosexuellen SA-Chefs Röhm am 30.6.1934 von München aus. Bereits am 4.7.1934 wurde vom Bayerischen Innenministerium eine bayernweit angelegte Razzia gegen Homosexuelle angekündigt, die in München am 20.10.1934 durchgeführt wurde, unter anderem in dem noch bestehenden Schwulenlokal „Schwarzfischer“ in der Dultstraße/Ecke Oberanger. Aufgrund dieses historischen Bezugs wird der Oberanger als zentraler und öffentlichkeitswirksamer Gedenkort für das Denkmal vorgeschlagen.
Neben der individuellen Verfolgung und Ermordung von schwulen Männern aufgrund des Sonderparagrafen 175, der bis 1969 unverändert weiter bestand, und vereinzelt von lesbischen Frauen, z.B. als „Landstreicherin“, wurde von den Nationalsozialisten die schwule, lesbische und schwul-lesbische Emanzipationsbewegung und Infrastruktur, wie Vereine, Treffpunkte, Verlage etc., zerstört. Als Gruppe wurden Lesben und Schwule gleichermaßen Opfer. Es ist ein Stück Wiedergutmachung und Mahnung für die Zukunft, wenn München mit einem eigenen zentralen Gedenkort an diese Opfergruppe erinnert und diese auch bei der Umgestaltung des Platzes der Opfer des Nationalsozialismus nicht länger verschweigt, sondern ausdrücklich berücksichtigt.

Thomas Niederbühl
Stadtrat

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