Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen

Antrag

Die Verwaltung wird beauftragt, dem Stadtrat die aktuellen Entwicklungen zum Thema häusliche Gewalt gegen Frauen in München zu berichten. Dabei soll dargestellt werden, wie hoch der Bedarf an Information, Aufklärung und Beratung in München derzeit ist, welche Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind, welche Maßnahmen der Information, Aufklärung und Beratung notwendig sind und welche Angebote derzeit zur Verfügung stehen. Dabei soll insbesondere auch darauf eingegangen werden, inwieweit sich die Situation seit der münchenweiten Kampagne „Aktiv gegen Männergewalt“ in den Jahren 1997-1998 geändert hat.

Begründung:

Die aktuelle Studie „Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verdeutlicht erneut: häusliche Gewalt gegen Frauen ist keine Randerscheinung sondern sie betrifft viele Frauen aus fast allen Gesellschafts- und Einkommensschichten.

Aus einer 2002-2004 im Auftrag des BFSFJ durchgeführten Studie war bereits deutlich geworden, dass jede 4. Frau im Alter zwischen 16 und 85 Jahren im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Gewalt und/oder sexuellen Übergriffe in einer Partnerbeziehung erlebt hat. Die nun vorgenommene Sekundäranalyse zeigt indes detailliertere Ergebnisse auf, etwa dass jüngere Frauen unter 35 Jahren dann stärker und öfter misshandelt werden, wenn sie und ihr Partner sich in einer schwierigen sozialen Lage befinden, während Frauen über 45 häufiger betroffen sind, wenn sie über eine höhere Bildung verfügen bzw. ihr Einkommen dem des Partners gleichwertig ist oder sein Einkommen übersteigt. 60% der misshandelten Frauen haben die höchsten Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse (Abitur/Fachabitur oder Fach-/Hochschulabschluss oder Meister-/Fachschulabschluss). Andersherum verfügen nur 3% der Täter über gar keinen Schulabschluss, 37% über o.g. höchste Bildungs- bzw. Ausbildungsgrade. Die große Mehrheit der Paare in Gewaltbeziehungen haben keinen Migrationshintergrund. Gewalt in der Paarbeziehung ist offensichtlich entgegen der nach wie vor häufig gepflegten Ansicht kein Problem sozialer Randgruppen, sondern eine Tatsache, die sich mitten in unserer Gesellschaft abspielt. Diese aktuellen Zahlen veranlassen uns nachzuhaken, inwiefern die bestehenden Angebote der Aufklärung, Beratung und Information in München so ausgerichtet sind, dass sie tatsächlich alle betroffenen Frauen ansprechen und erreichen.

Besonders beschäftigt uns dabei auch die Frage, ob und wie diejenigen Frauen aus den oberen Bildungs- und Einkommensschichten mit Angeboten erreicht werden (können). Darüber hinaus soll insgesamt dargestellt werden, wie sich die Lage in München derzeit überhaupt darstellt und was sich in den vergangenen 11 Jahren seit der Münchner Kampagne verändert hat bzw. wo es noch Handlungsbedarf gibt und wie dieser aussieht.

Fraktion Die Grünen – rosa liste
Initiative:
Lydia Dietrich, Stadträtin
Jutta Koller, Stadträtin
Gülseren Demirel, Stadträtin

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