Mehr Räume für die freie Szene

P R E S S E M I T T E I L U N G

Im dynamischen Wachstum der Stadt mit seinem überhitzten Immobilienmarkt drohen viele Künstlerinnen und Künstler unter die Räder zu kommen. Außerhalb städtischer Institutionen bezahlbare Räume für die freie Kulturszene zu finden, wird immer schwieriger. Und auch wer sein Atelier von der Stadt gemietet hat, kann sich wegen der Rotationsregeln langfristig nicht sicher fühlen.

Grünen-Fraktionschef Dr. Florian Roth hat daher mit einem vierteiligen Antragspaket  die Initiative ergriffen, um die Raumsituation der freien Szene zu verbessern. Dr. Roth schlägt zum Einen vor, einen Beirat für Kunst und Kultur zu gründen, in dem Kulturschaffende, die relevanten Referate und Mitglieder des Stadtrats Ideen  entwickeln, um in der dichter und teurer werdenden Stadt Räume für Kunst und Kultur zu schaffen (>>>hier). Dem gleichen Ziel dient der zweite Antrag, der die Stadtverwaltung auffordert, ein Konzept zu erarbeiten, um für ein ausreichendes Angebot an Ateliers und Probenräumen zu gewährleisten. Dr. Roth regt an, dazu in allen Neubaugebieten (z.B. im Münchner Nordosten und Norden, Freiham) Räume vorzusehen und an Orten, wo bereits künstlerische Nutzungen etabliert sind, die Entwicklung weiterer Kreativquartiere zu prüfen. Durch Einbeziehung kultureller Infrastruktur in die Sozialorientierte Bodennutzung (SoBon) sollen weitere Potentiale mobilisiert werden.

Dr. Florian Roth: “Der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler warnt in einem Positionspapier davor, dass Künstlerinnen und Künstler abwandern oder ihre Profession nicht mehr ausüben können. Er wendet sich an die Stadt mit der Bitte, ein politisches Instrument zu schaffen, das mit Expertinnen und Experten Lösungen erarbeitet, um sie in der Stadtpolitik verankern zu können‘. Dieser Bitte sollte sich die Stadt nicht entziehen. Gleichzeitig muss die Stadt alle ihre Möglichkeiten nutzen, um auch in Neubaugebieten und bei größeren Baumaßnahmen Infrastruktur für die Kultur zu gewährleisten.“

Dr. Roth setzt sich in einem weiteren Antrag dafür ein, bei städtischen Kulturräumen auch Alternativen zur Praxis des Rotationsprinzip zu prüfen und Künstlerinnen und Künstler dauerhafte räumliche Perspektiven anzubieten. Denkbar, so Roth, seien z.B. die Einrichtung von sog. Künstlerhöfen – analog zu den bekannten Gewerbehöfen – oder selbstverwaltete und genossenschaftliche Modelle.

Ein vierter Antrag widmet sich dem Erhalt des Kreativquartiers am Standort Hans-Preißinger-Straße 8, wo bald der Gasteig seine Interimsgebäude während der Sanierung des Hauptgebäudes errichten soll. Dr. Roth fordert, den dort ansässigen Künstlerinnnen und Künstlern eine Bleibeperspektive für die Zeit nach der Sanierung anzubieten.

Dr. Florian Roth: „In der Hans-Preißinger-Straße 8 ist etwas gewachsen, das die Stadt München an anderer Stelle mühsam und mit erheblichem Finanzaufwand anstrebt: der Nukleus eines Kreativquartiers. Hier findet sich eine bunte Mischung aus Kunst, Kreativwirtschaft, Handwerk und Gewerbe. Aufgrund zivilgesellschaftlicher und politischer Interventionen konnte gesichert werden, dass auch während der Nutzung des Standorts als Interim für den Gasteig ein Teil der Kreativszene dort bleiben kann. Aber auch danach sollte der Standort als Kreativquartier erhalten bleiben.“

Dr. Roth appellierte an die Stadt, der freien Kulturszene mehr Aufmerksamkeit und mehr Ressourcen zu widmen: „München muss aufpassen, dass Künstlerinnen und Künstler jenseits der großen Institutionen oder des großen kommerziellen Erfolges nicht verdrängt werden. Deshalb reicht es nicht, sich auf dem Erreichten auszuruhen und, in fein sortierter Referatszuständigkeit, ein leicht forciertes „Weiter-So“ zu praktizieren. Münchens freie Szene sowie die Pop- und Subkultur brauchen neue Konzepte und Ideen. Gerade in den Neubaugebieten muss die Stadt darauf achten, dass auch die freie Szene, die Sub- und Jugendkultur einen Platz findet – das ist unabdingbar für lebendige Stadtviertel.
Es ist sehr bedauerlich, dass die Stadt hier eine so zögerliche Haltung einnimmt: Ein großes Antragspaket der Grünen – rosa liste, das bereits vor einem Jahr zum Thema ‚Förderung der freien Szene‘ eingebracht wurde – unter anderem mit der Einrichtung der Funktion eines Nachtbürgermeisters und eines Schallschutzfonds –, schlummert immer noch in den Schubladen der Verwaltung und wartet darauf, im Stadtrat beraten zu werden.“

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