Partizipation heißt Zukunft V – Modellprojekt „aula“ an Münchner Schulen umsetzen!

Antrag

I) Das Referat für Bildung und Sport wählt bis Ende 2019 fünf interessierte weiterführende Münchner Schulen aus und richtet dort ab 2020 gemeinsam mit den Schulleitungen, den Lehrkräften, den SchülerInnen, der StadtschülerInnenvertretung und den EntwicklerInnen die digitale Beteiligungsplattform „aula“ ein. Für die Realisierung der in diesem Rahmen erarbeiteten Projektideen und für weitere städtische Partizipationsangebote wird ab 2021 ein städtischer Kinder- und Jugendbeteiligungstopf in Höhe von einer halben Million Euro bereitgestellt. Kostenübernahmen durch die Bezirksausschüsse müssen ebenfalls unbürokratisch möglich sein.

II) Zur Umsetzung des Projekts werden ausreichend städtische pädagogische Fachkräfte beschäftigt oder im Rahmen einer Ausschreibung durch freie soziale Träger besetzt. Diese begleiten die Einarbeitungsphase und stehen anschließend als FachberaterInnen zur Verfügung.

III) Im Anschluss an eine zweijährige Testphase werden die Ergebnisse und Erfahrungen durch das Referat für Bildung und Sport evaluiert und gemeinsam mit allen Beteiligten und dem Stadtrat über eine Verfestigung und Ausweitung des Angebots entschieden. Die erforderlichen Mittel werden eingestellt.

IV) Im Vorfeld wird dem gemeinsamen Bildungs-, Sozial- , Verwaltungs-, Planungs- sowie Kinder- und Jugendhilfeausschuss das Konzept der Beteiligungsplattform „aula“ durch das Referat für Bildung und Sport und die EntwicklerInnen dargestellt sowie weitere vorstellbare Optionen der Einbindung des Tools in kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung aufgezeigt.

Begründung:

Die Ergebnisse der Schulklimabefragung 2018 zeigten schulartenübergreifend das gleiche Bild. Es gibt insgesamt eine große Bereitschaft der Münchner SchülerInnen auch außerhalb des normalen Unterrichts Verantwortung zu übernehmen. Auch Lehrkräfte gaben an, dass zusätzliches Engagement ihrerseits von der Schulgemeinschaft überwiegend positiv gesehen wird. Das Potenzial für aktive Mitbestimmung und Beteiligung am Schulleben wird nach aktuellem Stand allerdings nicht ausreichend genutzt.

Dies hat mehrere Gründe. Einerseits sehen sich die SchülerInnen und Lehrkräfte mannigfachen weiteren Verpflichtungen abseits des Schulalltags ausgesetzt, andererseits sind die bestehenden Angebote oftmals in traditionellen Strukturen verhaftet und sehr arbeitsintensiv oder holen die SchülerInnen nicht ausreichend in ihrer heutigen Lebensrealität ab.

Unter diesen Voraussetzungen bietet sich mit „aula“ die Einführung einer modernen, niederschwelligen Beteiligungsplattform als neue Option zur schulischen Engagementförderung an (http://aula-blog.website/). Das Angebot ist ein Projekt von politik-digital e.V. und der Bundeszentrale für politische Bildung und ist konzipiert für den Einsatz in allen weiterführenden Schulen in den Jahrgangsstufen 5-13. Ziel ist es, den Jugendlichen eine niederschwellige aktive Mitbestimmung des Schullebens zu ermöglichen, um dabei bereits in jungen Jahren mediale, soziale und demokratische Praktiken und Kompetenzen zu erlernen. Dies deckt sich mit entscheidenden Kompetenzbereichen, die die Kultusministerkonferenz als elementar für soziale Teilhabe in einer digitalen Welt beschreibt (https://www.kmk.org/themen/bildung-in-der-digitalen-welt/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html). Mit der Vereinigung einer niederschwelligen Online-Plattform mit didaktischer Begleitung durch pädagogisches und schulisches Personal nutzt „aula“ dabei einen innovativen Ansatz, der das vorhandene Potenzial zu schulischem Engagement erfolgreicher kanalisieren kann.

Das Prozedere des Modellprojekts soll sich folgendermaßen gestalten: Nach Auswahl der 5 Pilotschulen (im Bestfall im Süden, Norden, Osten, Westen und im Zentrum der Stadt verortet) führen die EntwicklerInnen der Plattform gemeinsam mit entsprechendem pädagogischen Personal (1-2 Fachkräfte pro Schule) im Rahmen von 2-3 Workshops einen geeigneten Kernkreis von späteren MultiplikatorInnen bestehend aus VertreterInnen der SchülerInnenschaft sowie einzelnen Lehrkräften und der Schulleitung in das Konzept samt Umsetzung ein. Zudem werden geeignete Mittel aufgezeigt, um ein erfolgreiches “Peer To Peer Learning” für alle interessierten MitschülerInnen und Lehrkräfte sicherzustellen. Für MultiplikatorInnen bieten sich VertreterInnen bereits bestehender Strukturen wie beispielsweise der jeweiligen SMV oder der Münchner StadschülerInnenvertretung an.

Das Beteiligungsverfahren von „aula“ ist folgendermaßen konzipiert: Vor der Anwendung des Tools ist im Regelfall eine Schulkonferenz einzuberufen und ein gemeinsamer Vertrag zu verabschieden, der die Rechte und Pflichten jedes Teilnehmenden festlegt und eine freiwillige Selbstverpflichtung der Schulgemeinschaft zur Realisierung der durch „aula“ beschlossenen Projekte beinhaltet. Im Anschluss daran erhalten alle interessierten SchülerInnen ein eigenes Benutzerkonto um sich standortunabhängig für die Einstellung und Kommentierung von Projektideen einloggen zu können. Der Projektentstehungsprozess ist dabei mehrstufig. Zu Beginn können klassenweite oder schulweite “Wilde Ideen” geäußert, bearbeitet und diskutiert werden. Ideen können beispielsweise den Einsatz von Schulmitteln, Projekttage oder spontane Aktionen betreffen. Der Bearbeitungsprozess kann durch ModeratorInnen in Person von engagierten SchülerInnen und Lehrkräften verwaltet und strukturiert werden. Erhalten Ideen ausreichend Unterstützung, werden sie in die digitale Themensammlung überführt. Auch hier besteht die Möglichkeit der weiteren digitalen Bearbeitung und Ausdifferenzierung. Zudem wird die Diskussion im Bestfall auch auf den analogen Klassenraum ausgeweitet.

Nach einem durch die ModeratorInnen festgelegten Zeitraum steht ein finaler Vorschlag fest, den die Schulleitung, die ebenfalls mit einem Account ausgestattet wird, auf die Vereinbarkeit mit dem Schulkonferenz-Rahmenvertrag und entsprechende Umsetzbarkeit prüft. Dies geschieht unabhängig von der persönlichen Präferenz. Die umsetzbaren Projektideen werden dann auf der Plattform begleitet durch ModeratorInnen zur Abstimmung für alle SchülerInnen freigegeben. Bei ausreichender Unterstützung (je nach Quorumfestlegung des Vertrags/der ModeratorInnen) werden die Ideen in Eigenverantwortung der SchülerInnen umgesetzt. Über die Umsetzung wird final in Form eines öffentlichen Erfahrungsberichts der SchülerInnen Rechenschaft abgelegt.

Eltern erhalten ebenfalls auf Wunsch einen Account, haben aber nur die Möglichkeit, den Projektentstehungsprozess zu beobachten ohne selbst eingreifen zu können, denn „aula“ soll ein exklusives gemeinschaftsförderndes Projekt der jeweiligen Schulgemeinschaft sein. Während des gesamten Prozesses stehen engagierte Lehrkräfte und das einzustellende pädagogische Fachpersonal als beratende und mediative Instanz bereit.

Die Umsetzung dieses innovativen Angebots wäre wenig kostenintensiv. Die entsprechende Software und das didaktisches Begleitmaterial werden als Open Source Material kostenfrei angeboten. Kosten für die Stadt entstünden nur für das Einrichten der Plattform und die Durchführung der Einführungs-Workshops sowie die Betreuung des Projektes durch die pädagogischen Fachkräfte und das EntwicklerInnenteam.

Die zeitnahe Umsetzung dieses Pilotprojektes wäre also ein unbürokratisches, finanziell tragbares klares Ja zu einer innovativen und partizipatorischen Kinder- und Jugendarbeit an den Münchner Schulen. Vor allem in der heutigen Zeit ist es unabdingbar, den schulischen Werdegang als einmalige Möglichkeit zu erkennen, um Kinder- und Jugendliche auf ihrem Weg hin zu starken Persönlichkeiten und mündigen Demokratinnen und Demokraten in einer digitalisierten Welt zu unterstützen.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:

Dr. Florian Roth

Katrin Habenschaden

Thomas Niederbühl

Sabine Krieger

Anja Berger

Herbert Danner

Paul Bickelbacher

Dominik Krause

Oswald Utz

Angelika Pilz-Strasser

Jutta Koller

Anna Hanusch

Sabine Nallinger

Sebastian Weisenburger

Mitglieder des Stadtrates

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