Partizipation heißt Zukunft VI – Modellprojekt #stadtsache in den Sommerferien 2020 umsetzen!

Antrag

I)rDaskStadtjugendamt wird aufgefordert während der Sommerferien 2020 mithilfe der Stadtentwicklungs-App #stadtsache ein Modellprojekt zur digitalen Stadtteilerkundung für Kinder und Jugendliche ab dem Vorschulalter einzurichten.

II) Das Stadtjugendamt stellt hierfür eine ausreichende pädagogische Betreuung der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen an 5 ausgewählten Tagen für die Erkundung von je 5 Stadtbezirken sicher. Dies soll durch eine entsprechende Ausschreibung für soziale Träger sichergestellt werden. Das Angebot wird zielgruppenspezifisch in den städtischen Bildungseinrichtungen, sozialen Wohnangeboten und Flüchtlingsunterkünften sowie durch eine digitale Informationskampagne auf der städtischen Homepage und in den sozialen Medien beworben.

III) Die Ergebnisse der digitalen Stadtteilerkundung werden durch das Stadtjugendamt ausgewertet und in einen offiziellen Ergebnisbericht überführt. Dieser wird dem Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe- sowie dem Verwaltungs- und Planungsausschuss unter Beteiligung der Bezirksausschüsse vorgestellt. Spätestens 2021 erarbeiten basierend auf dem Bericht alle interessierten Teilnehmenden, beteiligten Fachkräfte sowie Politik und Verwaltung an einem Runden Tisch „München lebt Jugend“ konkrete umsetzbare Projekte. Für die Umsetzung der ausgewählten Projekte und für weitere Partizipationsmodelle wird ab 2021 ein städtischer Kinder- und Jugendbeteiligungstopf in Höhe von einer halben Million Euro bereitgestellt. Kostenübernahmen durch die städtischen Bezirksausschüsse sollen ebenfalls unbürokratisch möglich sein. Über die Umsetzung der beschlossenen Projekte wird dem Stadtrat und allen Beteiligten regelmäßig durch die verantwortliche Stelle Bericht erstattet.

IV) Zusätzlich wird die App #stadtsache dem städtischen Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe- sowie dem Verwaltungs- und Planungsausschuss mit Fokus auf weitere Optionen zur Einbindung der App in die Arbeit der Verwaltung vorgestellt.

V) Anschließend an die Pilotphase bietet die Stadt das Angebot der digitalen Stadtteilerkundungen alle 3 Jahre ab 2024 als Bestandteil der im gleichen Turnus stattfindenden Münchner Jugendbefragung an.

Begründung:

Die letzte Münchner Jugendbefragung (2017) offenbarte beunruhigende Zahlen. So gaben 46 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass ihre Interessen in München nicht ausreichend ernst genommen und gehört werden. Gleichzeitig gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie sich mehr Unterstützung von der Politik für ihre individuellen Interessen und Bedürfnisse wünschen. Für ein detailliertes Bild der individuellen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ist es notwendig, ihnen niederschwellige Instrumente nahe Ihrer Lebensrealität anzubieten. Smart Devices sind mittlerweile für die sehr große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags und sollten deswegen unbedingt als große Chance erkannt werden, das Zugehörigkeitsgefühl zur Stadtgemeinschaft durch demokratische Mitgestaltung der eigenen Lebensumwelt und des öffentlichen Raums zu stärken. Dies ist ein Recht, das im übrigen auch die UN Kinderrechtskonvention explizit vorsieht.

Die crossmediale Open Source App #stadtsache (https://stadtsache.de/) ist ein in diesem Kontext von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020 gefördertes Projekt und wurde bereits mehrfach mit großem Erfolg in deutschen Kommunen eingesetzt, beispielsweise in Hagen oder Iserlohn (https://tv58.wordpress.com/2018/11/02/stadtsache-briefe-an-den-oberbuergermeister/ , https://flowpage.de/publication/kijurat_1/). Die App ist ein altersübergreifendes innovatives Tool für Kinder und Jugendliche ab dem Vorschulalter zur aktiven Erkundung und Bewertung der eigenen Umgebung. Die Kinder und Jugendlichen sollen dabei mit ihren eigenen Smart Devices in freier Entscheidung Fotos von öffentlichen Plätzen und Räumen mit aus ihrer Sicht besonderer Bedeutung für das Stadtbild und die eigene Lebensrealität machen, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht. Die jeweilige Bewertung kann dabei durch eine Vielzahl an kreativen audiovisuellen Bildgestaltungen und Kommentarfunktionen vorgenommen werden. Die Ergebnisse lassen sich auch mit anderen NutzerInnen der App teilen und werden auf einem Web-Interface gesammelt. Die Wahrung des Datenschutzes ist durch einen eigens bereitgestellten Server in Deutschland gesichert.

Die kostenfreie Version der App verfügt bereits über 35 vorinstallierte Fragen und Suchaufgaben. Zusätzlich stellen die EntwicklerInnen kostenloses Projektmaterial zur Verfügung. Für die Erkundungstouren können zudem für einen Unkostenbeitrag von 10 Euro pro TeilnehmerIn für 6 Monate digitale Gruppen gebildet werden, denen im Vorfeld durch AdministratorInnen auch spezielle Aufgaben und Fragestellungen zugeordnet werden können (z.B. Bewerte die Spielmöglichkeiten in Schwabing! Was macht deinen Lieblingsplatz in Aubing zum Lieblingsplatz? Wo fühlst du dich nachts im Englischen Garten unwohl?). Über Optionen der Anwendung dieses Zusatztools und die generelle Konzeption des Projekts hinsichtlich geeigneter Fragestellungen bei ausreichender Vergleichbarkeit und der anschließenden Auswertung wird im Rahmen von 2-3 Vorbereitungsworkshops mit den EntwicklerInnen, VertreterInnen der bis dahin ausgewählten städtischen oder freien pädagogischen Fachkräfte, des Stadtjugendamtes sowie der StadtschülerInnenvertretung entschieden. Die Möglichkeit, an den Tagen selbst Fragenwünsche der Jugendlichen zu ergänzen sollte dabei berücksichtigt werden.

Im Rahmen des Modellprojekts in den Sommerferien 2020 werden dann an 5 Tagen ausgehend von zentralen Treffpunkten jeweils 5 Stadtbezirke durch die Kinder und Jugendlichen erkundet. Zusammenfassen kann man hier beispielsweise die Innenstadt (Bezirke 1, 2, 3, 5, 8), den Münchner Westen (Bezirke 20, 21, 22, 23, 25), den Münchner Norden (Bezirke 4, 9, 10, 11, 24), den Münchner Süden (Bezirke 6, 7, 17, 18, 19) sowie den Münchner Osten (Bezirke 12, 13, 14, 15, 16). Die Jugendlichen haben dabei innerhalb eines festgelegten zeitlichen Rahmens die freie Wahl des Bezirks und der Route. Hier muss eine ausreichende Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch eine angemessene Zahl an pädagogischen Fachkräften sichergestellt sein, die durch eine verbindliche Online-Anmeldung im Vorfeld ermittelt wird.

Durch die Stadtteilerkundungen entsteht ein detaillierter, direkter und unkonventioneller Eindruck, wie die Kinder und Jugendlichen den jeweils ausgewählten Raum erfahren und welcher Handlungsbedarf ihren Bedürfnissen entsprechend besteht. Die App ist dabei sehr niederschwellig, inklusiv und milieuübergreifend nutzbar, da die meisten Funktionen auch mit Bildanweisungen erklärt werden. Auch geringe Sprach- und Schreibkenntnisse im Deutschen sind deswegen wenig hinderlich. Die App läuft auf allen Android und iOS Smartphones und Tablets. Auch Kinder und Jugendliche ohne Smart Devices werden nicht ausgeschlossen, da mehrere Personen gleichberechtigt ein Endgerät benutzen können. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt anschließend wie im Antragsteil beschrieben.

Wer heute Kind ist, entscheidet morgen über die Zukunft unserer Städte. Die Umsetzung dieses Antrags wäre ein außerordentlich großer Schritt hin zu moderner, ernstgemeinter Kinder- und Jugendbeteiligung in München.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:

Dr. Florian Roth

Katrin Habenschaden

Thomas Niederbühl

Sabine Krieger

Anja Berger

Herbert Danner

Paul Bickelbacher

Dominik Krause

Oswald Utz

Angelika Pilz-Strasser

Jutta Koller

Anna Hanusch

Sabine Nallinger

Sebastian Weisenburger

Mitglieder des Stadtrates

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