Partizipation heißt Zukunft VII – Modellprojekt „Diskurswerkstatt“ in allen 25 Münchner Bezirken umsetzen!

Antrag

1) Das Stadtjugendamt und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung werden aufgefordert im kommenden Jahr in allen 25 Bezirken Münchens jeweils zweitägige Diskurswerkstätten für Kinder und Jugendliche an geeigneten zentralen Standorten durchzuführen.

2) Bei der Umsetzung des Modellprojekts soll von Anfang an mit dem JFF (Jugend – Film – Fernsehen) – Institut für Medienpädagogik kooperiert werden.

3) Die Ergebnisse werden durch das Stadtjugendamt und das Referat für Stadtplanung und Bauordnung unter Einbindung aller beteiligter AkteurInnen evaluiert und dem Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe- sowie dem Verwaltungs- und Planungsausschuss im Stadtrat verbunden mit entsprechenden Handlungsempfehlungen vorgestellt. Für die Umsetzung ausgewählter Handlungsempfehlungen und für weitere Partizipationsmodelle wird ab 2021 ein städtischer Kinder- und Jugendbeteiligungstopf in Höhe von einer halben Million Euro bereitgestellt. Kostenübernahmen durch die städtischen Bezirksausschüsse sollen ebenfalls unbürokratisch möglich sein. Über die Umsetzung der beschlossenen Projekte wird dem Stadtrat und allen Beteiligten regelmäßig durch die verantwortliche Stelle Bericht erstattet.

4) Die Ergebnisse des Modellprojekts werden in die nächste und alle weiteren Münchner Jugendbefragungen integriert und das Angebot ab 2021 jedes Jahr umgesetzt.

Begründung:

Die letzte Münchner Jugendbefragung (2017) enthielt beunruhigende Zahlen: So gaben 46 Prozent der befragten Jugendlichen an, dass ihre Interessen in München nicht ernst genommen und gehört würden. Gleichzeitig gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie sich mehr Unterstützung durch die Politik für ihre individuellen Interessen und Bedürfnisse wünschten. Hauptproblempunkte bildeten dabei mangelnde Freizeitgestaltungsangebote und eine unzureichende jugendfreundliche Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Die Ergebnisse der Jugendbefragung zeigen, wie wichtig es ist, dass Kinder und Jugendliche der Stadtverwaltung und dem Stadtrat regelmäßig direktes Feedback geben. Nur so können die richtigen politischen Schlüsse gezogen werden, um die Stadt auch im Sinne der jungen Generation zu gestalten – der Generation, die im Stadtrat und in der Stadtverwaltung am wenigsten repräsentiert ist. Hinzu kommt: Wer sich in seiner Stadt nicht ernstgenommen fühlt, wird diese heute und in Zukunft auch nicht selbst zum Besseren gestalten wollen.

Die Jugendbefragung ist als Instrument der Meinungsbildung für die Stadt durchaus positiv zu sehen. Allerdings reicht es nicht aus, alle drei Jahre eine Umfrage mit insgesamt sehr generell gehaltenen Fragen durchzuführen. Der Wert des Feedbacks durch Kinder und Jugendliche an die Stadt basiert auch auf der Aktualität der jeweiligen Problempunkte, der Möglichkeit, standortbezogene Erfahrungen zu äußern sowie dem Angebot, auf negative Erfahrungen im persönlichen, direkten Austausch einzugehen. Diese Möglichkeit bietet die Jugendbefragung nicht in ausreichender Form. Deswegen ist es angebracht, das Angebot entsprechend zu erweitern.

Das vom JFF – Institut für Medienpädagogik entwickelte Format der Diskurswerktstätten bietet hierbei die große Chance, ein zusätzliches niederschwelliges und innovatives Format der Kinder- und Jugendbeteiligung in München umzusetzen. Erste positive Erfahrungen wurden bereits im Rahmen des Planungsverfahrens für den Münchner Nordosten gemacht (https://www.plan-nord-ost.de/plan_nord_ost/). Für eine Diskurswerkstatt wird an einem geeigneten, von Jugendlichen vielbesuchten Ort, beispielsweise dem örtlichen Skate-Park, der S-Bahn-Haltestelle, dem Kino oder der Bibliothek, eine sogenannte mobile Talkbox aufgestellt. Dazu werden gemütliche Sitzmöglichkeiten geschaffen, um die Jugendlichen zum spontanen Verweilen zu bewegen und um sie anzuregen, über ihre aktuellen positiven und negativen Erfahrungen in der Stadt bzw. ihrem Bezirk oder Viertel zu berichten.

Dies kann auf unterschiedlichste Weise passieren. Grundlegender Bestandteil ist immer das Angebot eines Video-Interviews, das optional auf einen entsprechenden Youtube-Channel zur Multiplikation in den Sozialen Medien geladen werden kann. Zudem werden niederschwellige Tools auf bereitgestellten Tablets zum Festhalten von Ideen und Problempunkten, Flipcharts mit entsprechenden Grafiken Münchens und des jeweiligen Bezirks, entsprechende Materialien zur grafischen Gestaltung derselben oder einfach nur Post-Its für einen Ideenaustausch angeboten. Die Standorte und das genaue Konzept werden im Vorfeld mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik vereinbart, das auch die Umsetzung der Talkboxen vor Ort begleitet. Durch das zweitägige Angebot wird ein entsprechender Informationsfluss über die Möglichkeit der Teilhabe unter den Jugendlichen begünstigt.

Durch die Umsetzung des Modellprojekts in allen 25 Stadtbezirken erhielte die Stadt München jährlich aktuelle Einblicke in die Probleme und Wünsche der Münchner Jugendlichen vor Ort. Die nach Bezirken ausdifferenzierten Ergebnisse würden die Informationen der Jugendbefragung ergänzen. Durch die Niederschwelligkeit des Formats werden Kinder und Jugendliche aus allen Gesellschaftsmilieus angesprochen und das Gefühl des ehrlichen Interesses an der jeweiligen Lebensrealität geschaffen. Die Ergebnisse schaffen somit das benötigte detaillierte Bild, das die Kinder und Jugendlichen Münchens auf die Stadt haben und befähigen Politik und Verwaltung Münchens, in Tiefe auf die Bedürfnisse der jungen Generation einzugehen.

Wir bitten, wie in der Geschäftsordnung des Stadtrates vorgesehen, um eine fristgemäße Bearbeitung unseres Antrages.

Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:

Dr. Florian Roth

Katrin Habenschaden

Thomas Niederbühl

Sabine Krieger

Anja Berger

Herbert Danner

Paul Bickelbacher

Dominik Krause

Oswald Utz

Angelika Pilz-Strasser

Jutta Koller

Anna Hanusch

Sabine Nallinger

Sebastian Weisenburger

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