Radlhauptstadt 2.0 – IV

Radlhauptstadt 2.0

IV: Alles aus einer Hand – Das Fahrrad ins Mobilitätspaket!
Antrag

1. Die Verwaltung legt ein Konzept vor, wie das Angebot im Radverkehr grundsätzlich auch in multimodale (verkehrsmittelübergreifende) Angebote integriert werden kann, mit dem Ziel, den privaten Fahrzeugbesitz überflüssig zu machen. Sie berichtet dem Stadtrat bis zum Jahr 2015 mit konkreten Vorschlägen für die Umsetzung. Dies beginnt bei systematischen, verkehrsmittelübergreifenden Informationen (Mobilitätsmanagement) und endet bei multimodalen Produkten und Angeboten im Vertrieb, wie z.B. dem Münchner Mobilitätspaket. Beim Münchner Mobilitätspaket, das durch den Erwerb z.B. einer „Mobility Card“ genutzt werden kann, sollen Bürgerinnen und Bürger, Gäste und Unternehmen durch eine einzige Kaufentscheidung automatisch sämtliche Verkehrsmittel des Umweltverbunds (ÖPNV, Car Sharing, Bike Sharing, Fahrgemeinschaftsdienste, etc.) spontan und flexibel nutzen können. Geprüft und getestet werden soll auch, wie die multimodalen Angebote im öffentlichen Raum durch Mobilitätsstationen physisch sicht- und nutzbar gemacht werden können, z.B. in dem auf umgewandelten Pkw-Stellplätzen wohnortnah CarSharing Fahrzeuge, Bike-Sharing Räder sowie übertragbare Bürgertickets für den ÖPNV zur Nutzung bereitgestellt werden.

2. Ergänzend zu diesen multimodalen Mobilitätsstationen soll die Landeshauptstadt München in enger Kooperation und Abstimmung mit den öffentlichen Verkehrsanbietern (MVV, MVG und CarSharing-Anbietern) bis zum Jahr 2015 ein Konzept für ein modernes, öffentliches Fahrradverleihsystem entwickeln und umsetzen. Dieses Radlverleihsystem soll stationsbasiert (feste Stellplätze und Infostehle) auch über den Mittleren Ring hinaus betrieben werden und mindestens 5.000 Fahrräder bereitstellen. Die dafürbenötigten schätzungsweise 400 Stationen sollen im öffentlichen Straßenraum errichtet und dafür Kfz-Stellplätze umgewandelt werden. Das Angebot des Systems soll sich sowohl an Touristen und Besucher als auch an Einheimische (Berufspendler, Studenten, spontane Nutzer, städtische Mitarbeiter, etc.) richten. Die Nutzung des Fahrradverleihsystems soll in den ersten 30 Min. einer jeden Fahrt kostenfrei sein und in die Tarifstruktur der öffentlichen Verkehrsmittel integriert werden. Wenn möglich, sollen in das Angebot des Verleihsystems neben „klassischen“ Fahrrädern auch Pedelecs und Lastenräder integriert werden. Neben den öffentlichen Verkehrsanbietern werden auch interessierte Firmen, die für ihre Mitarbeiter und Kunden auf oder in der Nähe ihres Betriebsgeländes eine Station einrichten wollen und städtische Dienststellen in die Konzeptentwicklung mit einbezogen. Das System könnte ggf. auch weitgehend die städtischen Diensträder ersetzen.

Begründung:

Auf dem Münchner Mobilitätsmarkt existiert bereits eine Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten. Gerade im Bereich der öffentlichen Leihsysteme wie Fahrradverleih und CarSharing, aber auch im öffentlichen Nahverkehr, gibt es viele neue und innovative Angebote, die ständig erweitert und ergänzt werden. Darüber muss informiert werden. Die Angebote müssen einfach und aus einer Hand erwerbbar sein. Und sie müssen leicht in Wohnortnähe oder auch unterwegs nutzbar sein.

Das von den Münchner Grünen bereits im Jahr 2006 auf den Weg gebrachte Mobilitätsmanagementprogramm .München-Gscheid Mobil. bietet schon heute eine ideale Informations-, Beratungs- und Motivationsplattform, ist allerdings bisher auf wenige Zielgruppen beschränkt und sollte daher systematisch und flächendeckend ausgebaut werden.

Eine übergreifende Mobilitätskarte für den ÖPNV, CarSharing und Leihfahrräder, ein einfaches, verständliches und familienfreundliches Tarifsystem sowie wohnortnahe Mobilitätsstationen sind neue überfällige Bausteine, die einen großen Beitrag zum Umstieg auf den Umweltverbund leisten. Nicht zuletzt rechtfertigen sie durch das verbesserte Angebot die Reduktion der Stellplatzauflagen beim Wohnungsbau und liefern somit auch einen Beitrag für mehr, kostengünstigeren und platzsparenderen Wohnungsbau in München.

Derzeit gibt es in München innerhalb des Mittleren Rings zwei privat betriebene öffentliche Fahrradverleihsysteme: Neben dem System .Call a Bike. mit aktuell ca. 1.100 Rädern, das bereits im Jahr 2000 eingeführt wurde und seit dem Jahr 2001 von der Deutsche Bahn AG betrieben wird, bietet seit Juni 2011 auch die Firma .nextbike. ca. 500 Leihfahrräder im Innenstadtbereich an. Beide Systeme werden ohne feste Stationen (Stellplätze + Infostehle fehlen) im öffentlichen Raum betrieben und durch die Landeshauptstadt München finanziell nicht unterstützt. Die positiven Erfahrungen aus zahlreichen anderen europäischen Städten sowie die ersten Ergebnisse aus dem Modellversuch. Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme. des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zeigen aber, dass moderne Fahrradverleihsysteme einen wichtigen Baustein zur Erweiterung der multimodalen Angebotspalette im öffentlichen Verkehr darstellen. Die Attraktivität und damit auch der Erfolg moderner Verleihsysteme hängen dabei maßgeblich von der Qualität und Dichte des Angebots an Fahrrädern ab. Die beiden derzeit vorhandenen Systeme sind technisch nicht mehr auf dem neusten Stand und vor allem deutlich zu klein, um als echte Ergänzung im öffentlichen Verkehrssystem erfolgreich fungieren zu können. Beide Systeme werden ohne feste Stationen betrieben, da von Seiten der Stadt bisher keine Flächen dafür im Straßenraum zur Verfügung gestellt werden. Für ein erfolgreiches und zeitgemäßes Fahrradverleihsystem in München muss daher von Seiten der Stadt neben finanziellen Ressourcen vor allem Platz für Stationen bereitgestellt werden, der durch eine Umverteilung des Straßenraums gewonnen werden soll.
Fraktion Die Grünen-rosa liste

Initiative:

Paul Bickelbacher
Sabine Nallinger
Herbert Danner

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